AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 2. 8. 1914.
S ir Eyre Crowe äußerte gesprächsweise, nach einerganz kürzlich hier gemachten Mitteilung scheineÖsterreich jetzt bereit, grundsätzlichen Besprechun-gen seiner Streitpunkte mit Serbien durch eine Vier-Mächte-Konferenz in London zuzustimmen. Die Mit-teilung sei aber zu spät gekommen, um noch prakti-schen Nutzen zu haben. Lichnowsky.
AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 2. 8. 1914.
S ir Eyre Crowe sagt mir soeben, daß im ForeignOffice eine Drahtmeldung eingelaufen ist, wonachdie deutschen Truppen in der Gegend von Nancy anmehreren Stellen in starken Abteilungen die franzö-sische Grenze überschritten hätten, ohne daß vorhereine Kriegserklärung in Paris erfolgt wäre. Er ließdabei durchblicken, daß diese Nachricht in dem imLauf des Abends zur erneuten Besprechung zu-sammentretenden Kabinettsrat einen schlechten Ein-druck machen und vielleicht auf die endgültige Ent-scheidung nicht ohne Einfluß sein werde. Ich er-widerte Sir Eyre Crowe , wir hätten bezügliche Nach-richten nicht empfangen, es scheine empfehlenswert,genaue Bestätigung aus unabhängiger Quelle abzu-warten. Lichnowsky.
AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 3. 8. 1914.
E inmarsch in Frankreich ohne Krieg hat hier ver-hängnisvollen Eindruck hervorgerufen und Rechts-gefühl der Engländer schwer verletzt.
Bitte dringend Aufklärung zur Verwertung.Morgenblätter verurteilen unser Vorgehen und be-zeichnen uns als eigentliche Friedensstörer.
Lichnowsky.
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