Rede gewesen, die im Interesse bestimmter Cliquen oder Strö-mungen auf den Kaiser einzuwirken versucht haben sollen, unddie Auswahl der persönlichen Umgebung des Kaisers wargewiß nicht so, daß sie ihm ein möglichst einwandfreies Bildaller Strömungen in der Nation verschaffte. Die Traditionendes preußischen Hofes und der Prinzen-Erziehung mögen dazubeigetragen haben. Das Ergebnis war jedenfalls, daß inschicksalsschweren Stunden, wie im Kriege, es unmöglich war,den Kreis, der sich um den Kaiser gebildet hatte, zu durch-brechen und ihn dessen Einfluß zu entziehen. Welcher Artdieser Einfluß gewesen sein muß, und wie wenig er dazu geeignetwar, den Kaiser zu einer Selbstkritik seiner Anschauungen zubringen, hat der Erfolg gezeigt. Hinzukam, daß es nur seltenund nur besonders gut akkreditierten Leuten glückte, den Kaiserfür längere Zeit allein zu sprechen, und daß der Kaiser Wider-spruch in größerem Kreise, in dem er sich stets als Herrscherfühlte, nicht liebte. Vallin hat wiederholt Gelegenheit zulanger vertraulicher Aussprache gehabt, wenn er z. B. nachder Rückkehr aus dem Auslande zum Kaiser geladen wurdeund dann auf einem Spaziergang nach dem Frühstück mit demKaiser allein war.
Aber solche Unterhaltungen mit dem Kaiser heißtes z. B. in den Aufzeichnungen Ballins vom z. Juni 1901,als Ballin an der kaiserlichen Frühsiückstafel teilgenommenhatte:
«Nach dem Frühstück ließ sich der Kaiser von mir über meine Reise(nach Gstasien) berichten und machte mir seinerseits außerordentlichinteressante Mitteilungen über seinen Aufenthalt in England und damit