Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
309
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für wahrscheinlich hielt konnte ja ein Zweifel nicht bestehen,angesichts der starken Abhängigkeit vom Auslande, in der sichDeutschland für seine Versorgung in wachsendem Maße befand.

Trotzdem aber und trotz des erwähnten, neu erwachten Inter-esses der militärischen Stellen hatte diese wirtschaftliche Vor-bereitung bis zum Kriege in keiner Weise irgendwie ernsthafteFortschritte gemacht. Die einzige praktische Maßnahme, die manvon seiten der Iivilbehörden traf, war, soweit meine Kenntnisgeht, ein Vertrag mit einer holländischen Firma über den Im-port von Getreide im Kriegsfalle. Die von dieser Firma dann,als der Fall praktisch wurde, im Sommer 1914 gechartertenDampfer waren englische Dampfer, die nach Kriegsausbruchmit ihren Ladungen statt nach Rotterdam nach England gingen.

Kurz, es war nichts Nennenswertes auf diesem Gebiete ge-schehen, und am Sonntag, den 2. August, kam als Abgesandterdes Reichsamtes des Innern der spätereLeiter derZentral-Einkaufs-Gesellschast, Geheimrat Frisch, nach Hamburg , umBallin mitzuteilen, daß man im Reichsamt in größter Sorgesei, den Vorrat an Lebensmitteln in Deutschland sehr geringschätze, mit einem starken Mangel in kürzester Fristrechneund deshalb bitte, doch nach besten Kräften noch dazu zu helfen,vom Auslande etwas hereinzubringen. Berechnungen einerHamburger Firma, die zugezogen wurde, ergaben zwar eineetwas optimistischere Schätzung der Getreidevorräte im Lande,aber es wurden natürlich sogleich Maßnahmen getroffen, umImporte aus neutralen Ländern heranzuziehen. Diese Bemü-hungen wurden aber stark gehemmt durch den völligen Mangelan Vorbereitung. Es kostete schon unendliche Mühe, Geld