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Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
311
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wenig Ordnung kam. Auch zeigte es sich, daß die deutschenGuthaben im Auslande für derartige große Bedürfnisse ganzunzureichend waren. Ein Versuch, Lchatzscheine in New Dortunterzubringen, hatte nur unzulänglichen Erfolg, und infolgedieses Mangels an Mitteln konnte dasjenige, was von denVereinigten Staaten noch hereingekommen ist, im Vergleichzu dem großen Bedarf nicht nennenswert sein, trotzdem esunseren Bemühungen gelang, sowohl die erforderlichen Verbin-dungen mit Amerika anzuknüpfen, wie auch für ausreichendenneutralen Schiffsraum zu sorgen. Aber mit der Beschaffungder Geldmittel in Berlin verging, wie schon gesagt, viel kostbareZeit, und späterhin wurden die englischen Blockademaßnahmenimmer durchgreifender. Lo konnten im weiteren Verlaufe desKrieges nur aus den europäischen Ländern noch größere Importeherangezogen werden.

Ballin widmete sich persönlich den Geschäften des Reichs-einkauss mit größter Hingebung, schon weil es ihm ein Be-dürfnis war, an die Stelle der immer mehr sich verringerndeneigentlichen geschäftlichen Tätigkeit etwas anderes zu setzen,und obgleich seine Gesellschaft davon keinen anderen Nutzenhatte, als daß ein Teil ihres beschäftigungslos gewordenenPersonals von dieser Stelle absorbiert wurde und dadurch einegewisse Entlastung in den Unkosten eintrat. Das eigentlicheGeschäft und damit die Einkommensquelle der deutschen Ree-derei war durch den Kriegsausbruch wie mit einem Schlageabgeschnitten, und was sich an Gewinn aus den Verträgenfür die Versorgung der Marine ergab, war nur ein sehr be-scheidener Ersatz.