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sich gegen Herrn von Bethmann, und schließlich ließ mir General vonLudendorff telephonieren, daß er seinen Abschied einreichen würde, wennBethmann bliebe.
Ich hatte darauf eine lange Unterredung mit Exzellenz von Valentini,der auch die Notwendigkeit des Rücktritts des Kanzlers einsah, abermit Bezug auf die Wahl des Nachfolgers in denselben großen Schwierig-keiten sich befand wie alle anderen Leute. Gegen ZürstBülow hatteWien lebhafte Bedenken erhoben, und auf Rat von Valentini entschloßich mich zum Kaiser zu gehen, um mit ihm die Situation, die ich füraußerordentlich verhängnisvoll hielt, zu besprechen. Ich schrieb deshalbExzellenz von Reischach, daß er mich beim Kaiser anmelden möge, zogaber am Freitag diese Anmeldung wieder zurück, weil mir am Donners-tag abend vom Hauptquartier telephoniert wurde, daß Hindenburg undLudendorff bereits abgereist seien, um dem Kaiser Vortrag in dieserAngelegenheit zu halten. Ich wollte mich unter diesen Umständen nichtmehr einmischen. Der Kaiser hat dann die Generäle mit der Mitteilungempfangen, daß Bethmanns Abschiedsgesuch von ihm bereits am Abendvorher genehmigt sei, und hat sich damit aus der schwierigen Lage be-freit, daß er der Obersten Heeresleitung nachgeben mußte."
.»25. Juli 1917. Gestern war ich beim Fürsten Bülow
draußen in Zlottbek und fand ihn frischer, als ich ihn seit Jahren ge-sehen habe. Ich hatte nachträglich das Gefühl, daß der Fürst dieganze Situation jetzt so schwarz sieht, daß er sich selbst nicht scheuenwürde, das Amt eines Staatssekretärs des Auswärtigen unterMichaelis zu übernehmen, nur um endlich wieder mit unserer auswär-tigen Politik in vernünftige Bahnen einlenken zu können. Die Beth-mann'sche Politik verurteilt er, entgegen seiner früheren Zurückhaltung,auf das Heftigste; er behauptet, daß Bethmann mit der Hergäbe desgleichen Wahlrechts nicht anders gehandelt habe wie ein Bankier, deram Tage vor seinem Bankerott sich noch über Wasser halten will, indemer die fremden Depots angreift.