Druckschrift 
Albert Ballin / Bernhard Huldermann
Entstehung
Seite
392
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Wie es ihm immer und überall um die praktische Arbeitund praktischen Resultate in erster Reihe zu tun war, so schätzteer auch die praktische Sozialpolitik und handelte nachihren Grundsätzen in seinem Wirkungsbereich soweit, als eres verantworten zu können glaubte. Die gleiche Anschauungs-weise brachte ihn im Kriege in der Arbeit für die Lebens-mittelversorgung und in der Vorsorge für die Zeit nach demKriege zu praktischer Zusammenarbeit mit führenden Männernder genossenschaftlichen Bewegung.

Von seiner gewaltigen, unermüdlich scheinendenArbeitskraft machte Ballin besonders in jungen Jahrenverschwenderischen Gebrauch, und zu seiner persönlichen Hilfegenügte ihm der denkbar bescheidenste Stab. Leine beste Hilfewar sein fabelhaft starkes Gedächtnis, das ihm ermöglichte,tatsächlich fast ohne Akten zu arbeiten. Ihm war jede Phaseder verflossenen Zeit, jede Einzelheit eines jeden Schiffes, daser gebaut oder gekauft hatte, stets gegenwärtig, über jede Person,die seinen Weg gekreuzt hatte, stand sein auf Tatsachen ge-gründetes Urteil fest. Nach Jahren erst vermochten ihn seineKollegen dazu zu bringen, Sonntags nicht mehr im Kontor zuerscheinen und das, was er trotzdem an Sonntagen zu erledigenwünschte, zu Hause zu tun. Zu keiner Tageszeit, weder Sonntagsnoch Werktags, in Hamburg oder auf der Reise, auch nichtim Urlaub, verschonten ihn Telegramm und Telephon. Da erüber alles unterrichtet sein wollte, es sehr übel nahm, wennihm irgend etwas Wichtiges vorenthalten wurde oder vorent-halten zu werden schien, warman allzu ängstlich mit der Weiter-gabe der Eingänge. Als ich zum ersten Male meinen Dienst