und Erzählungen.
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VI.
Das Muster der Ehm.
Ein rares Beyspiel will ich singen,Wobey die Welt erstaunen wird.Daß alle Ehen Zwietracht bringen,Glaubt jeder, aber jeder irrt.
Ich sah das Muster aller Ehen,Still, wie die stillste Sommernacht.O! daß sie keiner möge sehen,Der mich zum frechen Lügner macht!
Und gleichwohl war die Fran kein Engel,Und der Gemahl kein Heiliger;Es hatte jedes seine Mängel.Denn niemand ist von allen leer.
Doch sollte mich ein Spötter fragen,
Wie diese Wunder möglich sind?
Der lasse sich zur Antwort sagen:
Der Mann war taub, die Frau war blind.
Das Geheimniß. °)Hans war zum Paler hingctrctc»,Ihm seine Sünden vorznbetcn.Hans war noch jung, doch ohne Ruhm,So jung er war, von Herzen dumm.
Der Pater hört ihn an. Hans beichtete nicht viel.Was sollte Hans auch beichten?
Bon Sünden wußt er nichts, und desto mehr vom Spiel.Spiel ist ein Mittelding, das braucht er nicht zu beichten.„Nun, soll das alles seyn?
„Fallt, sprach der Pater, dir sonst nichts zu beichte» ein?"„Ehrwürdger Herr, sonst nichts" <» „Sonst weißt du gar nichts mehr ?"„Gar nichts, bey meiner Ehr!"
Diese Erzählung hat Lcsstng im I. 1772 nicht wieder mit abdrucke» lassen.Sie stand zuerst in der Nosstschen Zeitung Vvm Jahr t7Zl.