Fabeln.
15. Die Eiche und das Schwein.
Ein gefräßiges Schwein mästete sich, unter einer hohen Eiche,mit der hcrabgcfallcncn Frucht. Indem es die eine Eichel zer-biß, verschluckte cS bereits eine andere mit dem Auge.
Undankbares Vieh! rief endlich der Eichbanm herab. Dunährest dich von meinen Fruchten, ohne einen einzigen dankbarenBlick auf mich in die Höhe zu richten.
Das Schwein hielt einen Augenblick innc, und grunzte zurAntwort: Meine dankbaren Blicke sollten nicht ausscnblcibcn,wenn ich nur wußte, daß du deine Eicheln meinetwegen hättestfallen lassen.
16. Die Wespen.
1550? ki^,/t,Mvos <5P^XI0V 2>kVk<5l? k0"ri,v, ^el!ünu6 lle n»t. siilinol.üli. I. cap. 23.
Fäulniß und Verwesung zerstörten das stolze Gcbän eineskriegerischen Rosses, das unter seinem kühnen Reiter erschossenworden. Die Ruinen des einen braucht die allzeit wirksameNatur zu dem Leben des andern. Und so floh auch ein Schwärmjunger Wespen aus dem bcschmeißtcn Aase hervor. O, riefendie Wespen, was für eines göttlichen Ursprungs sind wir! Dasprächtigste Roß, der Liebling Neptuns, ist unser Erzeuger!
Diese seltsame Prahlcrcy hörte der aufmerksame Fabeldichter,und dachte an die heutigen Ztaliäncr, die sich nichts gcringcrsals Abkömmlinge der alten unsterblichen Römer zu seyn einbil-den, weil sie auf ihren Gräbern gcbohrcn worden.
17. Die Sperlinge.
Eine alte Kirche, welche den Sperlingen unzählichc Nestergab, ward ausgebessert. Als sie nun in ihrem neuen Glänzeda stand, kamen die Sperlinge wieder, ihre alten Wohnungenzu suchen. Allein sie fanden sie alle vermauert. Zu was, schriensie, rangt denn nun das große Gebäude? Kommt, verlaßt denunbrauchbaren Steinhaufen!