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1 (1838)
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Fabeln.

Hainc, wo drey Wcgc cinandcr durchkrcutztcn, ward cr cin PaarSchlangen gewähr, die sich begatteren. Da hub Tircsias sei-nen Stab ans, und schlug unter die verliebten Schlangen.Aber, o Wunder! Indem der Stab auf die Schlangen hcrab-sank, ward Tircsias zum Wcibc.

Nach neun Monden ging das Weib Tircsias wieder durchden hciligcn Hain; und an cbcn dcm Ortc, wo dic drcy Wcgceinander durchkrcutztcn, ward sie cin Paar Schlangen gewahr,dic mit cinandcr kämpftcn. Da hub Tircsias abcrmals ihrenStab auf, nnd schlug untcr dic crgrimmtcn Schlangcn, undO Wunder! Zudem der Stab dic kämpfcndcn Schlangcn schied,ward das Weib Tircsias wicdcr zum Manne.

30. Minerva.

Laß sie doch, Freund, laß sie, die kleinen hämischen Neiderdeines wachsenden Ruhmes! Warum will dein Witz ihre derBcrgcsscnhcit bestimmte Namen verewigen?

In dcm unsinnigen Kriege, welchen dic Ricscn widcr dicGöttcr führten, stellten die Ricscn dcr Minerva einen schreckli-chen Drachcn entgegen. Minerva aber ergriff dcn Drachcn, undschleuderte ihn mit gewaltiger Hand an das Firmament. Daglänzt cr noch; und was so oft großer Thaten Belohnung war,ward des Drachcn bcncidcnswürdigc Strafe.

Drittes Buch.

4. Der Besitzer des Bogens.

Ein Mann hatte einen trefflichen Bogen von Ebenholz, mitdcm cr sehr wcit und schr sichcr schoß, und dcn cr ungcmcinwcrth hiclt. Einst abcr, als cr ihn aufmerksam betrachtete, sprachcr: Ein wenig zu plump bist du doch! Alle deine Zierde ist dicGlättc. Schade! Doch dcm ist abzuhclscn! sicl ihm cin.Ich will hingehen und den besten Künstler Bilder in dcn Bogcnschnitzcn lassen. Er ging hin; lind dcr Kunstlcr schnitzte eineganze Jagd auf den Bogcn; und was hätte sich besser auf einenBogen geschickt, als cinc Jagd?