Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
160
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Ittl)

Fabeln.

Schäfer, sprach er, du nennest mich den blutgierigen Räu-ber, der ich doch wirklich nicht bin. Freylich muß ich mich andeine Schafe halten, wenn mich hungert; denn Hunger thutweh. Schütze mich nur vor dem Hunger; mache mich nur satt,und du sollst mit mir recht wohl zufrieden seyn. Denn ich binwirklich das zahmste, sanftmuthigstc Thier, wenn ich satt bin.

Wenn du satt bist? Das kann wohl seyn: versetzte derSchäfer. Aber wenn bist du denn satt? Du und der Gcitzwerden es nie. Geh deinen Weg!

17.

Der abgewiesene Wolf kam zu einem zweyten Schäfer.

Du weißt, Schäfer, war seine Anrede, daß ich dir, dasJahr durch, manches Schaf würgen konnte. Willst du mirüberhaupt jedes Zahr sechs Schafe geben; so bin ich zufrieden.Du kannst alsdcnn sicher schlafen, und die Hunde ohne Beden-ken abschaffen.

Sechs Schafe? sprach der Schäfer. Das ist ja eine ganzeHccrdc!

Nun, weil du es bist, so will ich mich mit fünfen begnügen:sagte der Wolf.

Du scherzest; fünf Schafe! Mehr als fünf Schafe opfrcich kaum im ganzen Jahre dem Pan."

Auch nicht viere? fragte der Wolf weiter; und der Schäferschüttelte spöttisch den Kopf.

Drey? Zwey?"--

Nicht ein einziges; fiel endlich der Bescheid. Denn es wäreja wohl thöricht, wenn ich mich einem Feinde zinsbar machte,vor welchem ich mich durch meine Wachsamkeit sichern kann.

18. ^

Aller guten Dinge sind drey; dachte der Wolf und kam zueinem dritten Schäfer.

Es geht mir recht nahe, sprach er, daß ich unter euch Schä-fern als das grausamste, gewissenloseste Thier verschrieen bin.