1K2 Fabeln.
20. I>)
Wäre ich nicht so alt! knirschte dcr Wolf. Aber ich mußmich, lcidcr, in die Zeit schicken. Und so kam er zu dem fünf-ten Schäfer.
Kennst du mich, Schäfer? fragte dcr Wolf.
Deines gleichen wenigstens kenne ich: versetzte dcr Schäfer.
„Meinesgleichen? Daran zwciflc ich schr. Ich bin ein so„sonderbarer Wolf, daß ich deiner und aller Schäfer Freund-schaft wohl werth bin."
Und wie sonderbar bist du denn?
„Ich könnte kein lebendiges Schaf würgen und frcsscn, und„wcnn cs mir das Lcbcn kostcn sollte. Ich nähre mich blos„mit todten Schafen. Zst das nicht löblich? Erlaube mir„also immer, daß ich mich dann und wann bei deiner Hccrdc„cinsindcn, und nachfragen darf, ob dir nicht —"
Spare dcr Worte! sagte der Schäfer. Du müßtest garkeine Schafe frcsscn, auch nicht einmal todte, wenn ich deinFeind nicht seyn sollte. Ein Thier, das mir schon todtc Schafefrißt, lernt leicht ans Hunger kranke Schafe für todt, und ge-sunde für krank ansehen. Mache auf meine Freundschaft alsokeine Rechnung, und geh!
21. ^
Ich muß nun schon mein Liebstes daran wenden, um zumcincm Zwecke zu gclangcn! dachte dcr Wolf, und kam zu demscchstcn Schäfer.
Schäfer, wie gefällt dir mein Bclz? fragte dcr Wolf.
Dcin Bclz? sagte dcr Schäfcr. Laß schcn! Er ist schön;die Hunde müssen dich nicht oft unter gehabt haben.
„Nun so höre, Schäfcr; ich bin alt, und werde cs so„lange nicht mchr treiben. Füttere mich zu Tode; und ich„vermache dir meinen Bclz."
Ey sich doch! sagte dcr Schäfcr. Kömmst du auch hinterdie Schliche dcr alten Gcitzhälsc? Nein, ncin; dein Bclzwürde mich am Ende siebenmal mchr kostcn, als er werth