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1 (1838)
Entstehung
Seite
163
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Drittes Buch.

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wäre. Zst es dir aber ein Ernst, mir ein Geschenk zu machen,so gieb mir ihn gleich itzt. Hiermit grif der Schäfer nachder Keule, und der Wolf flöhe.

22. ^

O die Unbarmherzigen! schrie der Wolf, und gcricth in dieäußerste Wuth. So will ich auch als ihr Feind sterben, ehemich der Hunger tödtct; denn sie wollen es nicht besser!

Er lief, brach in die Wohnungen der Schäfer ein, riß ihreKinder nieder, und ward nicht ohne große Mühe von den Schä-fern erschlagen.

Da sprach der Weiseste von ihnen: Wir thaten doch wohlUnrecht, daß wir den alten Räuber auf das Acußcrste brachten,und ihm alle Mittel zur Besserung, so spät und erzwungen sieauch war, benahmen!

23. Die Maus.

Eine philosophische Maus pries die gütige Natur, daß siedie Mäuse zu einem so vorzüglichen Gegenstände ihrer Erhal-tung gemacht habe. Denn eine Hclftc von uns, sprach sie, er-hielt von ihr Flügel, daß, wenn wir hier unten auch alle vonden Katzen ausgerottet würden, sie doch mit leichter Mühe ausden Fledermäusen unser ausgerottetes Geschlecht wieder herstellenkönnte.

Die gute Maus wußte nicht, daß es auch geflügelte Katzengiebt. Und so beruhet unser Stolz meistens auf unsrer Un-wissenheit!

24. Die Schwalbe.

Glaubet mir, Freunde; die große Welt ist nicht für denWeisen, ist nicht für den Dichter! Man kennet da ihren wah-ren Werth nicht, und ach! sie sind oft schwach genug, ihn miteinem nichtigen zu vertauschen.

In den ersten Zeiten war die Schwalbe ein eben so tonrci-chcr, melodischer Nogcl, als die Nachtigall. Sie ward es aber

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