Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
166
Einzelbild herunterladen
 

Fabeln.

Anhang.

Fabeln aus dem ersten Theile der Schriften, 1753.Der Riese.

Ei» rebellischer Riese schoß seinen vergifteten Pfeil über sich inden Himmel, niemand geringerm, als einem Gott, das Leben damitzu rauben. Der Pfeil floh in die uncrmcsscnfle Ferne, in welcherihm auch der schärfere Blick des Ricscns nicht folgen konnte. Schonglaubte der Rasende sein Ziel getroffen zu haben, und sing an, eingotteslästerliches Triumphlied zu jauchzen. Endlich aber gebrach dem Pfeiledie mitgetheilte Kraft der schnellenden Senne; er fiel mit einer stets wach-senden Wucht wieder herab, und tödtetc seinen frevelnden Schützen.

Unsinnige Spötter der Religion, eure Zungenpfcile fallen weit unterihrem ewigen Throne wieder zurück; und eure eigne Lästerungen sindes, die sie an euch rächen werden.

Der Falke.

Des einen Glück ist in der Welt des andern Unglück. Eine alteWahrheit, wird man sagen. Die aber, antworte ich, wichtig genugist, daß man sie mit einer neuen Fabel crleutcrt.

Ein blutgieriger Falke schoß einem unschuldigen Taubcupaare nach,die sein Anblick eben in den vertrautesten Kennzeichen der Liebe gesiörthatte. Schon war er ihnen so nah, daß alle Rettung unmöglich schien;schon gurrten sich die zärtlichen Freunde ihren Abschied zu. Doch schnellwirst der Falke einen Blick aus der Höhe, und wird unter sich einenHasen gewahr. Er vergaß die Tauben; stürzte sich herab, und machtediese» zu seiner bessern Beute.

Dämon und Theodor.

Der schwarze Himmel drohte der Welt den fürchterlichsten Beschlußdes schönsten SommcrtagcS. Noch ruhten Dämon und Theodor untereiner kühlenden Laube; zwey Freunde, die der Welt ein rares Beyspielwürden gewesen seyn, wenn sie die Welt zum Zeugen ihrer. Freund-schaft gebraucht hätten. Einer fand in des andern Umarmungen, was