Fragmente.
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Aus einem Gedichte über den jetzigen Geschmack in derPoesie.
Roch rollt dein leichter VcrS auf leichten Iamben fort;
Noch bringst du gleichen Schall an den gewohnten Ort;
Noch denkst du, wie man denkt, eh man den Witz verwöhne!,
Daß er sich eckcl nur nach seltnen Bildern sehnet;
Noch rcdst du, wie man redt, eh man die Zunge bricht.
Daß sie lateinisch Deutsch mit schönen Stammeln spricht,
Noch hast du nicht gewagt ein römisch Lied zu spielen,
Das von Gedanken strotzt, doch minder hat znm fühlen;
Roch tönt dein schwacher Mund die Göttcrsprachc nicht;
Noch giebst du jedem Zug sein ihm gehörig Licht;
Noch trägt Wort und Begrif bey dir nicht ncne Wanden,
Wer dich gelesen hat, der hat dich auch verstanden;
Du bist von kalter Art, die gern vernünftig denkt,
Und ihrem Zweifel mehr als ihrem Witze schenkt - - -
Und willst ein Dichter seyn? - - Geh, laß den schweren Namen,
Zum Dichter trägst du kam» den ungckcimtcn Samen.
So sprach ein großer Geist, von K°° Feur erhitzt,Zu meiner Mnse jüngst, die noch im Dunkeln sitzt.Mitleidig wollt er mich die kühnen Wege lehren,Wo uns die Welt nicht hört, doch künftgc Welten hören.Nein, sprach ich, jener Wahn hat mich noch nicht berauscht,Der nicht die Fesseln flicht, die Fesseln nur vertauscht;Die Ketten von dem Fuß sich an die Hände leget,Und glaubt, er trägt sie nicht, weil sie der Fuß nicht träget.Du stehst, wo Opitz ging - - - Voll Zorn verließ er mich,Und donnert hinten nach: kein Schwcitzcr lobe dich!
Erschüttert von dem Fluch bis in das Mark der Glieder,Schlug ich dem Sünder gleich die Angcn schamroth nieder,Für den die Rache schon den Stab gebrochen hat,Bestimmt znm Prediger der Tugend auf dem Rad.Vom kalten Schaur erlosch in mir das heilge Feuer,Das stille Dichter lehrt auch sonder einem M ° °.Voll Eckel sah ich mich, und sahe mich veracht;Von Enkeln nicht gekannt, die B ° ° schwännrisch macht;