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1 (1838)
Entstehung
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174
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Fragmente.

Ich sah voll Furcht hinaus auf Scenen künftger Dichter;Die Wage der Critik hielt ein gewaltger Richter,Der seines Beyfalls Wucht mit auf die Schale legt,Die, wie sein Finger will, steigt oder überschlägt ic.

Aus einem Gedichte an den Herrn M^°.

Der lobt die Neuern nur, und der lobt nur die Alten.Freund, der sie beyde kennt, sprich, mit wem soll ichs halten?Die Weisheit, war sie nur verfloßncr Zeiten Ehr?Ist nicht des Menschen Geist der alten Große mehr?Wie? oder ward die Welt zu unsrer Zeit nur weise?Und stieg die Kunst so spät bis zu dem höchsten Preise?Nein, nein; denn die Natur wirkt sich stets selber gleich,Im Wohlthun stets gerecht, an Gaben allzeit reich.An Geistern fehlt es nie, die aus gemeinen SchrankenDes Wissens sich gewagt, voll schöpfrischer Gedanken;Nur weil ihr reger Sinn nicht allzeit eins geliebt,Ward von der Kunst bald der, bald jener Theil geübt.Das Alter wird uns stets mit dem Homer beschämen,Und unsrer Zeiten Nuhm muß Newton auf sich nehmen.Zwey Geister gleich an Groß, und ungleich nur im Werk,Die Wunder ihrer Zeit, dcs Neides Augenmerk.Wer zweifelt, daß Homer ein Newton worden wäre,Und Newton, wie Homer , der ewgen Dichtkunst Ehre,Wenn dieser das geliebt, und dieses der gewählt,Worinne beyden doch nichts mehr zum Engel fehlt?

Vor diesem galt der Witz, und durch den Witz der Dichter,Selbst Griechen machten ihn zum Feldherrn und zum Richter.Jetzt sucht man mehr als Witz; die Zeit wird gründlicher,lind macht den Weg zum Ruhm dem Weisen doppelt schwer.Nutz geht Vergnügung vor. Was nur den Geist ergötzet,Den Beutel lcdig läßt, verdient das, daß mans schätzet?Ihr weisen Enkel seht der Aeltcrn Fehl wohl ein:Sonst ward der Dichter groß, nun wirds ein Schreiber seyn.Schon recht, der nutzt dem Staat. Und müßige PoetenHat Platos Rcpnblick, Europa nicht, vonnöthen.