Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
175
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Fragmente.

Was ist denn ihre Kunst, und worauf trotzen sie?Der Dummkopf, der sie schmäht, begrif ihr Vorrecht nie.Ihr Muster ist Natur, sie in belebte» BildernMit eignen Farben uns, verschönert oft, zu schildern.Doch, Dichter, sage selbst, was schilderst du von ihr?Der Dinge Fläche» nur und Schein gefallen dir.Wie sie das Auge sieht, dem Geiste vorzumahlen,Bleibst du den Sinnen treu, und machst aus Geistern Schalen.Ins innre der Natur dringt nie dein kurzer Blick;Dein Wissen ist zu leicht, und nur des Pöbels Glück.

Allein mit kühnem Ang ins Heiligthum zu blicken,Wo die Natur im Werk, bemüht mit Meisterstücken,Bey dunkler Heimlichkeit, der ewgen Richtschnur treu,Zu unserm Räthsel wird, und Kunst ihr kommt nicht bey;Der Himmel Kenner seyn; bekannt mit Mond und Sternen,Ihr Gleis, Zeit, Größ und Licht, durch glücklichs Rathen lernen;Richt fremd seyn auf der Welt, daß man die Wohnung kennt,Der Herrn sich mancher Thor, ohn sie zn kennen, nennt;Bald in dem finstern Schacht, wo Grans und Reichthum thronet,Und bey dem Nutz Gefahr in hohlen Felsen wohnet,Der Steine theure Last, der Erztc hart Geschlecht,Der Gänge Wunderlauf, was schimmernd und was ächt,Mit mühsamer Gefahr und fährlichcn Beschwerden,Neugierig ansznspähn, und so ihr Herr zu werden;Bald in der lustgcn Plän, im schauernd dunkeln Wald,Auf kahler Berge Haupt, in krummer Felsen Spalt,Und wo die Neubcgicr die schweren Schritte leitet,Und Frost und Wind und Weg die Lchrbegicr bestreiket.Der Pflanzen grünen Zucht gelehrig nachzugehn.Und mit dem Pöbel zwar, doch mehr als er, zu sehn;Bald mehr Vollkommenheit in Thieren zu entdecken,Der Vögel Feind zu seyn und Störcr aller Hecken;Zn wissen was dem Bär die starken Knochen füllt,Was in dem Elend zuckt, was aus dem Ochsen brüllt,Was in dem Ocean für scheußlich Unthicr schwimmet,Und welche Schncckcnbrnt an seinem Ufer glimmet;Was jedem Thier gemein, was ihm besonders ist,