Fragmente.
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Ein ccklcr Ohr besitzt, als Kenner sonst besaßen.
Erst dreugt er durch die Wach steh toll ins Opernhaus,
Urtheilt erbärmlich dann, und strömt in Tadel aus.
Die Wendung war zu alt, die kam zu oftmals wieder;
Hier stieg er allzuhoch, hier fiel er Plötzlich nieder;
Der Einfall war dem Ohr zu unerwartet da,
Und jener taugte nichts, weil man zuvor ihn sah;
Bald wird das Traurige zum Heulen wüster Töne,
Wald ist die Sprach des Leids zu ausgekünstclt schöne;
Dem ist das Fröhliche zu schcckcrud possenhaft,
Und jenem eben das ein Erablicd ohne Kraft;
Das ist zu schwer gesetzt, und das für alle Kehlen;
Und manchem scheint es gar ein Fehler, nie zu fehlen;
Das Wort heißt zugedchnr, und das nicht gnug geschleift;
Die Loge weint gerührt, wo jene zischt und pfeift.
Wo.kömmt die Frechheit her, so unbestimmt zu richten?
Wer lehrt den gröbsten Geist die Fehler sehn und dichten?
Ist nicht, uncins mit sich, ein Thor des andern Feind?
Und fühlt der Künstler nur sie all auf sich vereint?
Ist nicht der Grund, weil sie crschlichne Regeln wissen,
Und, auf gut Glück, darnach vom Stock zum Winkel schließen?
Er ists. Nun tadle mich, daß ich die Regeln schmäh,
Und mehr auf das Gefühl, als ihr Geschwätze seh.
Die Schwester der Musik hat mit ihr gleiches Glücke;Critikcn ohne Zahl, und wenig Meisterstücke,Seit dem der Philosoph auf dem Parnasse streift,Und Regeln abstrahirt, und die mit Schlüssen steift.Der Schüler hat gehört, man müsse fließend dichten.Was braucht der Schüler mehr, des Schweizers Lied zu richten?Grob, Ä.ohc>lsteimsch, schwer giebt seinen Worten Wncht.Die Menge lobt den Wahn; das ist des Wahnes Frucht.Ja, seine Tyrannei) hat leichte Besserungen,Nach langem Widerstand, ihm endlich abgedrungen.Und bersten möcht ich oft, wen» tadelndes Geschmeiß,Das kaum mit Müh und Roth die drey Einheiten weis,Den Plant nnd Molicr zu übersehen glaubet;Das ist, dem Herkules im Schlaf die Keule raubet,