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1 (1838)
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Fragmente.

Und brächt ihm gern damit schimpfsvollc Wunden an;

Nur Schade! daß kein Zwerg sie mächtig fuhren kann.

Kunstwörter müssen dann der Dummheit Blöße decken,

Und ein gelehrt Citat macht Zierden selbst zn Flecken.

Ach arme Poesie! anstatt Begeisterung,

Und Göttern in der Brust, sind Regeln jetzt gcnung.

Noch einen Vodmcr nur, so werden schöne Grillen

Der jungen Dichter Hirn, statt Geist und Feuer fülle».

Sein Affe schneidert schon ein ontologisch Kleid

Dem zärtlichen Geschmack zur Mascaradenzeit.

Sein critisch Lämpchcn hat die Sonne jüngst erhellet,

Und Rlopstock ward durch ihn, wie er schon stand, gcstcllct.

Tonarten, Intervall, Accorde, Dissonanz,Manieren, Clauseln, Tact, Strich, Conterpunct und Schwanz,Mit hundert Wörtern mehr, die tausend nicht verstehen,Worauf sich tausend doch pedantisch albern blehen,Freund, sey so gut, verbräm mein allzudeutsch Gedicht,Damit man auch von mir als einem Kenner spricht.Doch nein - - Ss möchte mich ein Pfau zu rupfen fassen.Wobey ich nichts gedacht, mag ich nichts denken lassen.Zwar durch Bescheidenheit fliegt man nicht Himmel an;Dem Magdchcn steht die Scham, und Prahlercy dem Manu.Die Regeln sind dazu, daß wir nicht dürfen schweigen,Wenn Meister emsig sind und sich in Thaten zeigen.Wer hat so müßge Zeit und sitzet mühsam still,Daß er erst alles lern, wovon er reden will?Ein Weiser braucht den Mund zum Richten und am Tische.Wer schweigt ist dumm. Drum sind das dümmste Lieh die Fische.Bey einem Glase Wein kommt manches auf die Bahn;Da heißt es: rede hier, daß man dich sehen kann.Und reden kann man ja. Vom Setzen, Dichten, Mahlen,Lehrt auch das kleinste Buch, wo nichts verstehn, doch prahlen.

Der Schwätzer hat den Ruhm: dem Meister bleibt die Müh.DaS ist der Regeln Schuld, und darum tadl' ich sie.Doch meinet man vielleicht, daß sie dem Meister nützen?Man irrt; das hieß die Welt mit Elephanten stützen.Ein Adler hebet sich von selbst der Sonne zu;