Fragmente. 487
Dein Feur, Religion!Entflamme meinen Geist; das Herz entflammst du schon.Dich siihl ich, ehrfurchtsvoll, gleich stark als meine Jugend,Das thörichte Ecwcb aus Laster , Fehl uud Tugend.
Nach Wahrheit durstiger, als durstig nach der Ehr,Auf Kluger Beyfall stolz, doch auf den meine» mehr,Entfernt von Welt und Glück, in unbclauschten Stunden,Hab ich den flüchtgcn Geist oft an sich selbst gebunden;lind gab mir kummerlos, da, weil ich Hülfe schrie,Mich niemand kennen mag, mich selbst zu kennen Müh.
Der ernsten erster Blick, die ich auf mich geschossen,Hat mein erstauntes Herz mit Schwcrmuth übergössen.Lerlvhren in mir selbst, sah, hört und fühlt ich nicht;Ich war in lauter Nacht, und hofte lauter Licht.
Nun zwanzig Jahr gelebt--und noch mich nicht gesehen!
Rief ich mit Schrecken aus, und blieb gleich Sculen stehe».Was ich von mir gedacht ist falsch, ist lächerlich;Kaum glaub ich, ich zu seyn, so wciiig km» ich mich.
Verdammte Schulweisheit! Ihr Grillen weiser Thoren!Bald hätt ich mich durch euch, wie meine Zeit vcrlohrcn.Ihr habt, da Wähnen nur der Menschheit Wissen ist,Den stolzen Sinn gelehrt, daß er mehr weis, als schließt.Dem Irrthum in dem Schoos, träumt er von Lehrgebäuden,Und kann, stolz auf den Traum, kein wachsam Zweifeln leiden.Das Forschen ist sei» Gift, Hartnäckigkeit sein Ruhm;Wer ihn bekehren will, raubt ihm sein Eigenthum;Ihm, der stolz, von der Höh der aufgcthürmtcn Lügen,Natur und Geist und Gott sieht unverhüllct liegen.
Warum? Wer? Wo bin ich? Zum Glück. Ein Mensch. Auf Erden.Bescheide sonder Licht, die Kindern gnügcn werden!Was ist der Mensch? Sein Glück? Die Erd, auf der er irrt?Erklärt mir, was ihr nennt. Dann sagt auch, was er wird;Wen» schnell das Uhrwerk stockt, das in ihm denkt und fühlet?Was bleibt von ihm, wann ihn der Würmer Heer durchwühlet,Das sich von ihm ernährt, und bald auf ihm verreckt?Sind Wurm und Mensch alsdann gleich hoffnungslos gestreckt?Bleibt er im Staube Staub? Wird sich ein neues Leben,Auf einer Allmacht Wink, aus seiner Asche heben?