Fragmente.
Ach! Neigung, Sinn und Witz lag noch in finstern Banden,Und was den Menschen macht, war ohne Spur vorhanden.Die Bildung nach der Form zum menschlichen Geschlecht,Gab auf den edlern Theil mir kein untrüglich Recht.Wer sah durch Haut und Fleisch das Werkzeug zum EmpfindenOb kein unsclger Fehl im innern Bau zu finden?Wer sah mein Hirn, ob es gedankenfähig war?Ob meine Mutter nicht ein menschlich Vieh gebahr?
Wie elend kümmerlich wuchs ich die ersten Jahre!Zum Menschen noch nicht reif, doch immer reif zur Bahre.Wie mancher Tag verfloß, eh vom gcschäftgen SpielSin lächelnd heitrer Blick schief auf die Mutter fiel?vh meine Knorpelhand so stark zu seyn begonnte,Daß sie mit Jauchzen ihr das Haar zerzausen konnte?l?h leichter Sylben Schall ins Ohr vernehmlich stieß?Eh ich mich stammelnde nachäffend loben ließ?Eh meine Wärterin die dunkeln Worte zählte,Womit den langen Tag die kleine Kehl sich quälte?Eh auf die Leitung kühn, mein Fuß, vom Tragen matt.Mehr Schritte durch die Luft, als auf dem Boden that?
Doch endlich sollt ich auch das späte Glück genießen,Das schlechtrc Thiere kaum die ersten Stunden missen.Die Lieblings der Natur, vom sichern Trieb regiert,Der unvcrirrlich sie zum Guten reitzt und fuhrt.Ich hörte, sah und ging, ich zürnte, weinte, lachte,Bis Zeit und Ruthe mich zum schlimmern Knaben machte.Das Blut, das jugendlich in frischen Adern rann,Trieb nun das leere Herz zu leichten Lüsten an.Mein Wunsch war Zeitvertreib; mein Amt war Müßiggchcn;Ich floh vom Spiel zum Spiel, und nirgends blieb ich stehen.Nach allem sehnt ich mich, und alles würd ich satt,Der Kreysel wich dem Ball, der Ball dem Kartcnblatt.Zu glücklich, wär mein Spiel ein bloßes Spiel gewesen,Znr schlauen Larve nicht dem Laster auserlesen,Worunter unentdeckt das Herz ihm offen stand.Wer kann dem Feind entflieh», eh er den Feind gekannt?Stolz, Rachsucht, Eigensinn hat sich in KinderthatenDes Lehrers schärferm Blick oft männlich gnug verrathen.