Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
233
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Der junge Gelehrte.

möchte einem ehrliche» Kerl ankommen. Wahrhaftig! ehe ichmir eine Gelehrte aufhängen ließ

Lhr^s. Narre, Narre! sie gehen imtcr andern Leuten,als du bist, rcisscnd weg. Wann ihrer nur viel wären, werweiß, ob ich mir nicht selbst eine wählte.

Ancon. Kennen Sie Karlinen?

Lhrys. Karlinen? Nein.

Anton. Meinen ehemaligen Kameraden? meinen gutenFreund? kennen Sie den nicht?Lhr)'s. Nein doch, nein.

Anton. Er trug ein hechtgraues Kleid, mit rothen Auf-schlägen, und auf seiner Sonntags Montur rothe und blaueAchsclbänder. Sie müssen ihn bey mir gesehen haben. Erhatte eine etwas lange Nase. Sie war ein Erbstück; denn erwollte aus der Geschichte wissen, daß schon sein Ururältcrvatcr,der ehedem einem gewissen Turnier, als Stallknecht beygewohnt,eine eben so lange gehabt habe. Sein einziger Fehler war,daß er etwas krumme Beine hatte. Besinnen Sie Sich nun?

Lhrys. Soll ich denn alle das Lumpengesindel kennen, dasdu kennst? Und was willst du denn mit ihm?

Anton. Sie kennen ihn also im Ernste nicht? O! dakennen Sie einen sehr großen Geist weniger. Ich will Sie zuseiner Bekanntschaft verhelfen; ich gelte etwas bey ihm.

Thrys. Zch glaube, du schwärmst manchmal so gut, alsmein Sohn. Wie kömmst du denn auf die Possen?

Anton. Eben der Karlin, will ich sagen--O! es ist

ärgerlich, daß Sie ihn nicht kennen Eben der Karlin,sage ich, hat einmal bey einem Herrn gedient, der eine gelehrte

Frau hatte. Der verzweifelte Vogel!--er sah gut aus,

und wie nun der Appetit sich nach dem Stande nicht richtet

--kurz, er mußte sie näher gekannt haben. Wo hätte er

sonst so viel Verstand her? Endlich merkte es auch sein Herr,daß er bey der Frau in die Schule gicng. Er bekam seinenAbschied, ehe er sichs versah. Die arme Frau!

Thrys. Ach schweig! ich mag weder deine noch meinesSohnes Grillen länger mit anhören.