Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
239
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Der junge Gelehrte.

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Juliane. Sie liebt Sie nicht mehr? Dieser Verdacht fehltenoch, ihren Kummer vollkommen zu machen. Wann Sie wuß-ten, wie viel es ihr, gegen die Rathschläge der Liebe taub zuseyn, koste; wann Sie wüßten, Valcr,---ach, die mißtraui-schen Mannspersonen!

Valcr. Legen Sie die Furcht eines Liebhabers, dessen gan-zes Gluck auf dem Spiele steht, nicht falsch aus. Sie liebenmich also noch? und wollen sich einem andern überlassen?

Juliane. Zch will? Könnten Sie mich empfindlicher mar-tern? Zch will? Sagen Sie: ich muß.

valer. Sie müssen?--Noch ist nie ein Herz gezwun-gen worden, als dasjenige, dem es lieb ist,'den Zwang zu sei-ner Entschuldigung machen zu können--

Juliane. Zhrc Vorwürfe sind so fein, so fein, daß ichSie vor Verdruß verlassen werde.

Valer. Bleiben Sie, Juliane; und sagen Sie mir wenig-stens, was ich dabey thun soll?

Juliane- Was ich thue; dem Schicksale nachgeben.

Valer. Ach, lassen Sie das unschuldige Schicksal aus demSpiele!

Juliane. Das unschuldige? und ich werde also wohl dieSchuldige seyn? Halten Sie mich nicht länger

K.isetre. Wann ich mich nun nicht bald darzwischcn lege,so werden sie sich vor lauter Liebe zanken. Was Sie thunsollen, Herr Valcr? eine grosse Frage! Himmel und Hölle regemachen, damit die gute Jungfer nicht muß! Den Vater ausandre Gedanken bringen; den Sohn auf Ihre Seite ziehen. Mit dem Sohne zwar hat es gute Wege; den überlassenSie nur mir. Der gute Damis! Zch bin ohne Zweifel daserste Mädchen, das ihm schmeichelt, und hoffe dadurch auch daserste zu werden, das von ihm geschmeichelt wird. Wahrhaftig;er ist so eitel, und ich bin so geschickt, daß ich mich wohl nochzu seiner Frau an ihm loben wollte, wann der verzweifelte Va-ter nicht wäre! Sehen Sie, Herr Valer, der Einfall istvon Mamsell Julianen! Erfinden Sie nun eine Schlinge fürden Vater