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Vcr junge Gelehrte.
Anron. Aber betrachten Sie nur: ein Weibsbild in IhrerSrudicrstubc! Was wird Ihr Gott sagen? Er kann ja dasUngeziefer nicht leiden.
Lisctce, Endlich werde ich dich wohl zur Stube hinausschmcisscn müssen?
Antc»,. Das wäre mir gelegen. — — Die verdammtenMädel! auch bey dem Teufel können sie sich einschmeicheln.
(Geht ab.)
Sechster Auftritt.Lisette- Damis,
Damis. Und wo blieben wir denn vorhin?
Liscttc. Wo blieben wir? bey dem, was ich allezeit amliebsten höre, und wovon ich allezeit am liebsten rede, bey Ih-,rcm Lobe. Wenn es nur nicht eine so gar kützlichc Sachewäre, einen ins Gesicht zu loben!--Ich kann Ihnen un-möglich die Marter anthun.
Dainis. Aber ich bcthcurc Ihr nochmals, Liscttc; es istmir nicht um mein Lob zu thun! Ich möchte nur gern hören,auf was für verschiedene Art verschiedene Personen einerley Ge-genstand betrachtet haben.
Liseltc. Zeder lobte dasjenige an Ihnen, was er an sichlobcnswürdigcs zu finden glaubte. Zum Ercmpcl, der kleinedicke Mann, mit dcr crnsthastcn Mine, der so selten lacht, deraber, wenn er einmal zu lachen ansangt, mit dem erschüttertenBauche den ganzen Tisch über den Haufen wirft — —
Damis. Und wer ist das? Aus Ihrer Beschreibung, Li-scttc, kann ich cs nicht errathen.--O es ist mitdcn Beschrei-bungen eine kützlichc Sache! Es gehört nicht wenig dazu, sieso einzurichten, daß man gleich bey dem ersten Anblicke dasBeschriebene erkennen kann. Ueber nichts aber muß ich mehrlachen, als wenn ich bey diesem und jenem großen Philosophen,wahrhaftig bey Männern, die schon einer ganzen Sekte ihrenNamen gegeben haben, öfters Beschreibungen anstatt Erklärun-gen antreffe. Das macht, die guten Herren haben mehr Ein-bildungskraft, als Beurtheilung. Bey der Erklärung muß derVerstand in das Znncrc dcr Dinge eindringen; bey dcr Bc-