Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
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Tcr junge Gelehrte.

Damis. Und das nicht mit Unrecht. Doch eben hierdurchglaube ich den stärksten Beweis davon zn geben.

A.isette. Ich möchte platzen! - Za, ja, den stärkstenBeweis, daß niemand schwerer zu fangen ist, als ein jungerGelehrter; nicht sowohl wegen seiner Einsicht und Verschlagen-heit, als wegen seiner Narrhcit.

T>amis, Wie so naseweis, Liscttc? Ein junger Gelehrter? ein junger Gelehrter?

Z.isette. Ich will Ihnen die Verweise ersparen. Valcr sollgleich von allem Nachricht bekommen. Ich bin Ihre Dienerinn.

Zwölfter Auftritt.

Anton. Damis.

Amon. Da sehen Sie! nun läuft sie fort, da Sie nachihrer Pfciffc nicht tanzen wollen.

Damis. Miüer nein Homo! bald werde ich auch diesesParadoxon für wahr halten. Wodurch zeigt man, daß manein Mensch ist? Durch den Verstand. Wodurch zeigt man,daß man Verstand hat? Wann man die Gelehrten und dieGelehrsamkeit gehörig zu schätzen weiß. Dieses kann kein Weibs-bild, und also hat es keinen Verstand, und also ist es keinMensch. Za, wahrhaftig ja; in diesem Paradoxo liegt mehrWahrheit, als in zwanzig Lehrbüchern.

Anton. Wie ist mir denn? ich habe Ihnen doch gesagt,daß Sie Herr Valcr gesucht hat? Wollen Sie nicht gehen undihn sprechen?

Damis. Valer? ich will ihn erwarten. Die Zeiten sindvorbey, da ich ihn hochschätzte. Er hat seit einigen Jahren dieBücher bey Seite gelegt; er hat sich das Vorurthcil in denKopf setzen lassen, daß man sich vollends durch den Umgang,und durch die Kenntniß der Welt, geschickt machen müsse, demStaate nützliche Dienste zu leisten. Was kann ich mehr thun,als ihn bctauern? Doch ja, endlich werde ich mich auch seinerschämen müssen. Ich werde mich schämen müssen, daß ich ihnehemals meiner Freundschaft werth geschätzt habe. O wie cckclmuß man in der Freundschaft seyn! Doch was hat es ge-holfen, daß ich es bis auf den höchsten Grad gewesen bin?