Der junge Gelehrte.
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Umsonst habe ich mich vor der Bekanntschaft aller mittelmäßi-gen Köpfe gehütet; umsonst habe ich mich bestrebt, nur mitGenies, nur mit originellen Geistern umzugehen: dennoch mußtemich Valcr, unter der Larve eines solchen, hintergehen. O Va-ler! Valer!
Anron. Laut genug, wenn er es hören soll.
Damis. Ich hätte über sein kaltsinniges Kompliment ber-sten mögen! Von was unterhielt er mich? von nichtswürdigcnKleinigkeiten. Und gleichwohl kam er von Berlin , und gleich-wohl hätte er mir die allcrangcnchmstc Neuigkeit zuerst berich-ten können. O Valcr! Valcr!
Anton. St! wahrhaftig er kömmt. Scheu Sie, daß ersich nicht dreymal rufen läßt?
Dreyzchnter Austritt.Damis. Valer. Anton.
Valer. Verzeihen Sie, liebster Freund, daß ich Sie inZhrcr gelehrten Ruhe störe — —
Anton. Wenn er doch gleich sagte, Faulheit.
Damis. Stören? ich sollte glauben, daß Sie mich zu stö-ren kämen? Nein, Valcr, ich kenne Sie zu wohl; Sie kommen,mir die angenehmsten Neuigkeiten zu hinterbringen, die der Auf-merksamkeit eines Gelehrten, der seine Belohnung erwartet, wür-dig sind.--Einen Stuhl, Anton!--Setzen Sie Sich
Valer. Sie irren sich, liebster Freund. Zch komme, Ih-nen die Unbeständigkeit Ihres Vaters zu klagen; ich komme,eine Erklärung von Ihnen zu verlangen, von welcher mein gan-zes Glück abhängen wird.--
Damis. O! ich konnte es Ihnen gleich ansehen, daß Sievorhin die Gegenwart meines Vaters abhielt, sich mit mir ver-traulicher zu besprechen, und mir Ihre Freude über die Ehrezu bezeigen, die mir der billige Ausspruch der Akademie--
Valer. Nein, allzu gelehrter Freund; lassen Sie uns einenAugenblick von etwas minder gleichgültigem reden.
Damis. Von etwas minder gleichgültigem? Also ist Ihnenmeine Ehre gleichgültig? Falscher Freund!--