Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
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263
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Der junge Gelehrte.

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Umsonst habe ich mich vor der Bekanntschaft aller mittelmäßi-gen Köpfe gehütet; umsonst habe ich mich bestrebt, nur mitGenies, nur mit originellen Geistern umzugehen: dennoch mußtemich Valcr, unter der Larve eines solchen, hintergehen. O Va-ler! Valer!

Anron. Laut genug, wenn er es hören soll.

Damis. Ich hätte über sein kaltsinniges Kompliment ber-sten mögen! Von was unterhielt er mich? von nichtswürdigcnKleinigkeiten. Und gleichwohl kam er von Berlin , und gleich-wohl hätte er mir die allcrangcnchmstc Neuigkeit zuerst berich-ten können. O Valcr! Valcr!

Anton. St! wahrhaftig er kömmt. Scheu Sie, daß ersich nicht dreymal rufen läßt?

Dreyzchnter Austritt.Damis. Valer. Anton.

Valer. Verzeihen Sie, liebster Freund, daß ich Sie inZhrcr gelehrten Ruhe störe

Anton. Wenn er doch gleich sagte, Faulheit.

Damis. Stören? ich sollte glauben, daß Sie mich zu stö-ren kämen? Nein, Valcr, ich kenne Sie zu wohl; Sie kommen,mir die angenehmsten Neuigkeiten zu hinterbringen, die der Auf-merksamkeit eines Gelehrten, der seine Belohnung erwartet, wür-dig sind.--Einen Stuhl, Anton!--Setzen Sie Sich

Valer. Sie irren sich, liebster Freund. Zch komme, Ih-nen die Unbeständigkeit Ihres Vaters zu klagen; ich komme,eine Erklärung von Ihnen zu verlangen, von welcher mein gan-zes Glück abhängen wird.--

Damis. O! ich konnte es Ihnen gleich ansehen, daß Sievorhin die Gegenwart meines Vaters abhielt, sich mit mir ver-traulicher zu besprechen, und mir Ihre Freude über die Ehrezu bezeigen, die mir der billige Ausspruch der Akademie--

Valer. Nein, allzu gelehrter Freund; lassen Sie uns einenAugenblick von etwas minder gleichgültigem reden.

Damis. Von etwas minder gleichgültigem? Also ist Ihnenmeine Ehre gleichgültig? Falscher Freund!--