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Der junge Gelehrte.
Valer. Ihnen wird diese Benennung zukommen, wannSie mich länger von dem, was für ein zärtliches Herz daswichtigste ist, abbringen werden. Ist cs wahr, daß Sie Julia-nen hcyrathcn wollen? daß Ihr Vater dieses allzu zärtlicheFrauenzimmer durch Bande der Dankbarkeit binden will, inseiner Wahl minder frey zu handeln? Habe ich Ihnen jemalsaus meiner Neigung gegen Julianen ein Geheimniß gemacht?Haben Sie mir nicht von jeher versprochen, meiner Liebe be-hülflich zu seyn ?
Damis. Sie ereifern Sich, Valcr; und vergessen, daß einWeibsbild die Ursache ist. Schlagen Sie Sich diese Kleinigkeit
aus dem Sinne.--Sie müssen in Berlin gewesen seyn, da
die Akademie den Preis auf dieses Zahr ausgetheilet hat. DieMonaden sind die Aufgabe gewesen. Sollten Sie nicht etwagehört haben, daß die Devise — —
Valer. Wie grausam sind Sie, Damis! So antwortenSie mir doch!
Damis. il„d Sie wollen mir nicht antworten? BesinnenSie Sich: sollte nicht die Devise Unum est necellsrium seyngekrönt worden? Ich schmeichle mir wenigstens — —
Valer. Bald schmeichle ich mir nun mit nichts mehr, daich Sie so ausschweifend sehe. Bald werde ich nun auch glau-ben müssen, daß die Nachricht, die ich für eine Spöttcrcy vonLiscttcn gehalten habe, gegründet sey. Sie halten Julianenfür Ihrer unwcrth, Sie halten sie für die Schande ihres Ge-schlechts, und eben deswegen wollen Sie sie hcyrathcn? Wasfür ein ungeheurer Einfall!
Damis. Ha! ,ha! ha!
Valcr. Ja lachen Sie nur, Damis, lachen Sie nur! Ichbin ein Thor, daß ich einen Augenblick solchen Unsinn von Ih-nen habe glauben können. Sie haben Liscttcn zum besten ge-habt, oder Lisctte mich. Nein, nur in ein zerrüttetes Gehirnkann ein solcher Entschluß kommen! Ihn zu verabscheuen, brauchtman nur vernünftig zu dcnkcn, und lange nicht cdcl, wic Sicdoch zu denken gewohnt sind. Aber lösen Sie mir, ich bitteSic, dieses marternde Räthsel!