Der junge Gelehrte.
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Valer. Ich komme Abschied von Zhncn beide» zu neh-men --
Lhr^'s. Abschied? so zeitig ? warum denn?
valer. Ich glaube nicht, daß Sie im Ernste fragen.
Chrys. Gott weiß es, Herr Valer; in dem aller ernstlich-stcn Ernste. Ich lasse Sie wahrhaftig nicht.
Valer. Um mich noch empfindlicher zu martern? Sie wis-sen, wie lieb mir die Person allezeit gewesen ist, die Sie mirheute cntrcisscn. Doch das Unglück wäre klein, wenn es michnur allein träfe. Sie wollen noch dazu diese geliebte Person miteinem verbinden, der sie eben so sehr haßt, als ich sie verehre?Meine ganze Seele ist voller Verzweiflung, und von nun anwerde ich, weder hier, noch irgcndswo in der Welt, wieder ru-hig werden. Ich gehe, um mich — —
Chrys. Nicht gehen, Herr Valer, nicht gehen! Dem Ue-bel ist vielleicht noch abzuhelfen.
Valer. Abzuhelfen? Sie bcscbimpfcn mich, wenn Sie glau-ben, daß ich jemals diesen Streich überwinden werde. Erwürde für ein minder zärtliches Herz, als das mcinigc ist, töd-lich seyn.
Damis. Was für ein Gewäsche! (setzt sich an seinen Tisch)Valer. Wie glücklich sind Sie, Damis! Lernen Sie we-nigstens Ihr Glück erkennen; es ist der geringste Dank, den
Sie dem Himmel schuldig sind. Juliane wird die Ihrige--
Chrys. Ey, wer sagt denn das? Sie soll noch zeitig ge-nug die Ihrige, werden, Herr Valer; nur Geduld!
Valer. Halten Sie innc mit Ihren kalten Verspottungen —Lhrys. Verspottungen? Sie müssen mich schlecht kennen.Was ich sage, das sag ich. Ich habe die Sache nun besserüberlegt; ich sehe, Juliane schickt sich für meinen Sohn nicht,und er sich noch viclwcnigcr für Zuliancn. Sie lieben sie;Sie haben längst bey mir um sie angehalten; wer am erstenkömmt, der muß am ersten mahlen. Ich habe eben mit mei-nem Sohne davon gcrcdt--Sie kennen ihn ja. — —
Valer. Himmel, was hör ich? Ist es möglich? welcheglückliche Veränderung! Erlauben Sie, daß ich Sie tausendmal