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Der junge Gelehrte.
gern würde sie cs aufopfern, wenn sie dadurch die Freyheitüber ihr Herz erhalten könnte.
Chrys. Aufopfern? Herr Valcr, bedenken Sie, was das sa-gen will. Wir Handelsleute fassen einander gern bey dem Worte.
valer. O, thun Sie cs auch hier! Mit Freuden tritt Ih-nen Juliane das Dokument ab. Fangen Sie den Proceß an,wenn Sie wollen; der Vortheil davon soll ganz Ihnen gehö-ren. Zulianc hält dieses für das kleinste Zeichen ihrer Dankbar-keit. Sie glaubt Ihnen noch weit mehr schuldig zu seyn.--
Lhrys. Nu, nu, sie ist mir immer ganz erkenntlich vorge-kommen. --Aber was würden Sie denn, Valcr, als ihr
künftiger Mann, zu dicscr Dankbarkeit sagen?
Valer. Denken Sie besser von mir. Ich habe Julianengeliebt, da sie zu nichts Hoffnung hatte. Ich licbc sie auch noch,ohne die geringste eigennützige Absicht. Und ich bitte Sie: wasschenkt man denn einem ehrlichen Manne, wenn man ihm ei-nen schweren Proceß schenkt?
Lhrys. Valcr, ist das Ihr Ernst?
Valer. Fordern Sie noch mehr, als das Dokument; mcinhalbes Vermögen ist Ihre.
Chrys. Da sey Gott vor, daß ich von Ihrem Vermögeneinen Heller haben wollte! Sie müssen mich nicht für so eigen-nützig ansehen. — Wir sind gute Freunde, und cs bleibt beydem alten: Zulianc ist Ihre! Und wenn das Dokument meinesoll; so ist sie um so vielmehr Ihre.
Valer. Kommen Sie, Herr Chrysander, bekräftigen Sieihr dieses selbst! Wie angenehm wird cs ihr seyn, uns bcidcvcrgnügr machen zu können.
Lhrys. Wenn das ist, Damis; so kannst du meinetwegennoch heute die Nacht fortrciscn. Ich will Gott danken, wennich dich Narren wieder aus dem Hause los bin.
Damis. Gehen Sie doch nur, und lassen Sie mich allein.
Valer. Damis, und endlich muß ich Ihnen doch noch mcinGlück verdanken? Ich thue es mit der aufrichtigsten Zärtlichkeit,ob ich schon weiß, daß ich die Ursache Ihrer Veränderung«nicht bin.