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1 (1838)
Entstehung
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Die Juden.

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Der Reis. Eure Grobheit ist unerträglich. Wenn mansich zu dienen entschließt, sollte man sich gewöhnen, wenigerUmstände zu machen.

Christ. Gut, mein Herr! Sie fangen an zu moralisiren,das ist: Sie werden zornig. Mäßigen Sie Sich; ich geheschon

Der Reis. Ihr müßt wenig Ucbcrlcgungcn zu machen ge-wohnt seyn. Das, was wir diesem Herrn erwiesen haben, ver-lieret den Namen einer Wohlthat, sobald wir die geringste Er-kenntlichkeit dafür zu erwarten scheinen. Ich hätte mich nichteinmal sollen mit hichcr nöthigen lassen. Das Vergnügen, ei-nem Unbekannten ohne Absicht beygcstanden zu haben, ist schonvor sich so groß! Und er selbst würde uns mehr Segen nach-gcwünscht haben, als er uns jetzt übertriebene Danksagung hält.Wen man in die Verbindlichkeit setzt, sich weitläustig, und mitdabey verknüpften Kosten zu bedanken, der erweiset uns einenGegendienst, der ihm vielleicht saurer wird, als uns unsereWohlthat geworden. Die meisten Menschen sind zu verderbt, alsdaß ihnen die Anwesenheit eines Wohlthäters nicht höchst beschwer-lich seyn sollte. Sie scheint ihren Stolz zu erniedrigen;

Christ. Ihre Philosophie, mein Herr, bringt Sie um denAthem. Gut! Sie sollen sehen, daß ich eben so großmüthigbin, als Sie. Ich gehe; in einer Viertelstunde sollen SieSich aufsetzen können.

Fünfter Auftritt.Der Reisende- Das Fräulein.

Der Reis. So wenig ich mich mit diesem Menschen gemeingemacht habe, so gemein macht er sich mit mir.

Zvas Fröul. Warum verlassen Sie uns, mein Herr? Warumsind Sie hier so allein? Ist Ihnen unser Umgang schon diewenigen Stunden, die Sie bey uns sind, zuwider geworden?Es sollte mir leid thun. Ich suche aller Welt zu gefallen;und Ihnen möchte ich, vor allen andern, nicht gern mißfallen.

Der Reis- Verzeihen Sie mir, Fräulein. Ich habe nurmeinem Bedienten befehlen wollen, alles zur Abreise fertig zuhalten.