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Die Jude».
Das Fraul. Wovon rcdcii Sie? von Ihrer Abreise?Wenn war denn Ihre Ankunft? Es sey noch, wenn Sie überJahr und Tag eine melancholische Stunde ans diesen Einfallbrächte. Aber wie? nicht einmal einen völligen Tag aushaltenwollen? das ist zu arg. Ich sage es Ihnen, ich werde böse,wenn Sie noch einmal daran gedenken.
Der Reis. Sie könnten mir nichts cmpfindlichcrs drohen.
Das Fränl. Nein? im Ernst? ist es wahr, würden Sieempfindlich seyn, wenn ich böse auf Sie würde?
Der Reis. Wem sollte der Zorn eines liebenswürdigenFrauenzimmers gleichgültig seyn können?
Das Fröul. Was Sie sagen, klingt zwar beynahe, alswenn Sie spotten wollten: doch ich will es für Ernst ausneh-men; gesetzt, ich irrte mich auch. Also, mein Herr,--ich
bin ein wenig liebenswürdig, wie man mir gesagt hat, — undich sage Ihnen noch einmal, ich werde entsetzlich, entsetzlich zor-nig werden, wenn Sie binnen hier und dem neuen Jahrewieder an Ihre Abreise gedenken.
Der Reis. Der Termin ist sehr liebreich bestimmt. Als-dann wollten Sie mir, mitten im Winter, die Thüre weisen;und bey dem unbequemsten Wetter — —
Das Fränl. Ey! wer sagt das? Ich sage nur, daß Siealsdann, des Wohlstands halber, etwa einmal an die Abreisedenken könnt». Wir werden Sie deswegen nicht fort lassen;wir wollen Sie schon bitten--
Der Reis. Vielleicht auch des Wohlstands halber?
Das Fröul. Ey! seht, man sollte nicht glauben, daß ein
so ehrliches Gesicht auch spotten könnte.--Ah! da kömmt
der Papa. Ich muß fort! Sagen Sie ja nicht, daß ich beyIhnen gewesen bin. Er wirft mir so oft genug vor, daß ichgern um Mannspersonen wäre.
Sechster Auftritt.T>er Baron. Der Reisende.Der Baron. War nicht meine Tochter bey Ihnen? Warumläuft denn das wilde Ding?
Der Reis. Das Glück ist unschätzbar, eine so angenehme