Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
313
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5ic Jude». 3IZ

und muittrc Tochter zu habe». Sie bczaubcrt durch ihre Reden,in welchen die liebenswürdigste Unschuld, der ungekünsteltsteWitz herrschet.

Der Baron. Sie urtheilen zu gütig von ihr. Sie ist we-nig unter ihres gleichen gewesen, und besitzt die Kunst zu ge-fallen, die man schwerlich auf dem Lande erlernen kann, unddie doch oft mehr, als die Schönheit selbst vermag, in einemsehr geringen Grade. Es ist alles bey ihr noch die selbst gc-laßnc Natur.

Der Reis. Und diese ist desto cinnchmcndcr, je wenigerman sie in den Städten antrifft. Alles ist da verstellt, ge-zwungen und erlernt. Za, man ist schon so weit darin» ge-kommen, daß man Dummheit, Grobheit und Natur für gleich-viel bedeutende Wörter hält.

Der Daron. Was könnte mir angenehmer seyn, als daßich sehe, wie unsre Gedanken und Urtheile so sehr übereinstim-men? O! daß ich nicht längst einen Freund Ihres gleichengehabt habe!

Der Reis. Sie werden ungerecht gegen Ihre übrigen Freunde.

Der Zdaron. Gegen meine übrigen Freunde, sagen Sie?Zch bin fünfzig Zahrc alt: Bekannte habe ich gehabt,aber noch keinen Freund- Und niemals ist mir die Freund-schaft so reizend vorgekommen, als seit den wenigen Stunden, daich nach der Zhrigcn strebe. Wodurch kann ich sie verdienen?

Der Reis- Meine Freundschaft bedeutet so wenig, daß dasbloße Verlangen darnach ein genügsames Verdienst ist, sie zuerhalten. Ihre Bitte ist weit mehr werth, als das, was Siebitten.

Der Zdaron- O, mein Herr, die Freundschaft eines Wohl-thäters --

Der Reis. Erlauben Sie, ist keine Freundschaft.Wenn Sie mich unter dieser falschen Gestalt betrachten, sokann ich Ihr Freund nicht seyn. Gesetzt einen Augenblick, ichwäre Ihr Wohlthäter: würde ich nicht zu befürchten haben,daß Ihre Freundschaft nichts, als eine wirksame Dankbar-keit wäre?

Der Daron. Sollte sich beides nicht verbinden lassen?