314
Die Juden.
Der Reis. Sehr schwer! Diese hält ein edles Gemüthfür seine Pflicht; jene crfodcrt lauter willkührlichc Bewegungender Seele.
Der Baron. Aber wie sollte ich--Zhr allzuzärtlichcr
Geschmack macht mich ganz verwirrt.--
Der Reis- Schätzen Sie mich nur nicht höher, als ich esverdiene. Aufs höchste bin ich ein Mensch, der seine Schuldig-keit mit Vergnügen gethan hat. Die Schuldigkeit an sich selbstist keiner Dankbarkeit werth. Daß ich sie aber mit Vergnügengethan habe, dafür bin ich genugsam durch Zhrc Freundschaftbelohnt.
Der Baron. Diese Großmuth verwirrt mich nur noch
mehr.--Aber ich bin vielleicht zu verwegen.--Ich
habe mich noch nicht unterstehen wollen, nach Ihrem Namen,nach Ihrem Stande zu fragen. — Vielleicht biete ich meineFreundschaft einem an, der--der sie zu verachten — —
Der Reis. Verzeihen Sie, mein Herr! — Sie — Siemachen Sich — — Sie haben allzugroßc Gedanken von mir.
Der Baron, (bey Seite) Soll ich ihn wohl fragen? Erkann meine Neugicrdc übel nehmen.
Der Reis- (bey Seite) Wenn er mich fragt, was werde ichihm antworten?
Der Baron, (bey Seite) Frage ich ihn nicht; so kann er esals eine Grobheit auslegen.
Der Reis, (bey Seite) Soll ich ihm die Wahrheit sagen?
Der Baron, (bey Seite) Doch ich will den sichersten Weggehen. Ich will erst seinen Bedienten ausfragen lassen.
Der Reis, (bey Seite) Könnte ich doch. dieser Verwirrungüberhoben seyn! — —
Der Baron. Warum so nachdenkend?
Der Reis Ich war gleich bereit, diese Frage an Sie zuthun, mein Herr. — —
Der Baron. Ich weiß es, man vergißt sich dann undwann. Lassen Sie uns von etwas andcrm reden.--Se-hen Sie, daß es wirkliche Juden gewesen sind, die mich ange-fallen haben? Nur jetzt hat mir mein Schulze gesagt, daß ervor einigen Tagen ihrer drey auf der Landstraße angetroffen.