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1 (1838)
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Tic Juden.

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Wic cr sic beschreibt, haben sie Spitzbuben ähnlicher, als ehr-lichen Leuten, gesehen. Und warum sollte ich auch daran zwei-felnd Ein Volk, das auf den Gewinnst so erpicht ist, fragt we-nig darnach, ob es ihn mit Recht oder Unrecht, mit List oderGewaltsamkeit erhält. Es scheinet auch zur Handclschaft,oder deutsch zu reden, zur Bctrügcrcy gemacht zu seyn. Höf-lich, frey, unternehmend, verschwiegen, sind Eigenschaften diees schätzbar machen würden, wenn es sie nicht allzusehr zu un-serm Unglück anwendete. (cr hält etwas inne)--Die Ju-den haben mir sonst schon nicht wenig Schaden und Verdrußgemacht. Als ich noch in Kriegsdiensten war, ließ ich michbereden, einen Wechsel für einen meiner Bekannten mit zu un-terschreiben; und der Zudc, an den cr ausgestellet war, brachtemich nicht allein dahin, daß ich ihn bezahlen, sondern, daß ich

ihn so gar zwcymal bezahlen mußte.--O! es sind die allcr-

boshaftcstcn, niederträchtigsten Leute. Was sagen Sie dazu ?Sie scheinen ganz niedergeschlagen.

Der Reis Was soll ich sagen? Ich muß sagen, daß ichdiese Klage sehr oft gehört habe.--

Der Baron, Und ist es nicht wahr, ihre Gcsichtsbildunghat gleich etwas, das uns wider sie einnimmt? Das Tückische,das Ungcwisscnhaste, das Eigennützige, Betrug und Meineid,sollte man sehr deutlich aus ihren Augen zu lesen glauben.Aber warum kehren Sie sich von mir?

Der Reis. Wic ich hörc, mein Herr, so sind Sic cin großerKenner der Physiognomie; und ich besorge, daß die mcinige

Der Daron. O! Sie kränken mich. Wie können Sieauf dergleichen Werdacht kommen? Ohne cin Kcnncr dcr Phy-siognomie zu seyn, muß ich Ihnen sagen, daß ich nie cinc soaufrichtige, großmüthige und gefällige Miene gefunden habe, alsdie Ihrige.

Dcr Reis Ihnen die Wahrheit zu gesteh»: ich bin keinFreund allgemeiner Urtheile über ganze Völker.--Sic wer-den meine Freyheit nicht übel nehmen. Ich sollte glauben,daß es nntcr allen Nationen gute und böse Scclcn gcbcnkönntc. Und unter den Juden -