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1 (1838)
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321
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Die Juden.

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A-isette- Ncrzcihm Sie! So grob werde ich nichtseyn.--

Christ. Ohne Umstände, ohne Komplimente! Wol-len Sie nicht? So werde ich Sie hintragen.

Lisette- Weil Sie es denn befehlen (Sie steht auf undwill sich auf den andern setzen.)

Christ. Befehlen? behüte Gott ! Nein! befehlen, willviel sagen. Wenn Sie es so nehmen wollen, so bleibenSie lieber sitzen.--(Er setzt sich wieder auf seinen Mantclsack.)

S.iserre. (bey Seite) Der Grobian! Doch ich muß es gutseyn lassen.--

Christ. Wo blieben wir denn? Ja, bey der Liebe.

--Ich liebe Sie also, Mamsell. Je vous gime, würde

ich sagen, wenn Sie eine französische Marquisinn waren.

lisette. Der Geyer! Sie sind wohl gar ein Franzose?

Christ. Nein, ich muß meine Schande gesteh»: ich binnur ein Deutscher. Aber ich habe das Glück gehabt, mitverschiedenen Franzosen umgehen zu können, und da habe ichdenn so ziemlich gelernt, was zu einem rechtschaffnen Kerl ge-hört. Ich glaube, man sieht mir es auch gleich an.

Ä.isette. Sie kommen also vielleicht mit Ihrem Herrnaus Frankreich ?

Christ. Ach nein!--

Ä.isette. Wo sonst her? freylich wohl!

Christ. Es liegt noch einige Meilen hinter Frankreich , wowir herkommen.

lisette- Aus Italien doch wohl nicht?

Christ. Nicht weit davon.

Lisette. Aus Engcland also?

Christ. Beynahe; Engcland ist eine Provinz davon. Wirsind über fünfzig Meilen von hier zu Hause. Aber, daßGott ! meine Pferde, die armen Thiere stehen noch ge-sattelt. Verzeihen Sie, Mamsell!--Hurtig! stehen Sie

auf! (er nimmt die Mantelsäeke wieder untern Arm)Trotz meiner inbrünstigen Liebe, muß ich doch gehn, und erstdas Nöthige verrichten. Wir haben noch den ganzen

Lesslngs Werke I. 21