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1 (1838)
Entstehung
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Die Juden.

es ist auch nicht allzu sicher, die Katzc bey dem Schwänze ausdem Ofen zu ziehen.

K.isette. Das ist wahr! nun aber können wir schon ordent-licher verfahren. Sie können mir Ihren Antrag thun; ich kanndarauf antworten. Ich kann Ihnen meine Zweifel machen; Siekönnen mir sie auflösen. Wir können uns bey jedem Schritte,den wir thun, bedenken, und dürfen einander nicht den Affenim Sacke vcrkauffcn. Hätten Sie mir gestern gleich Ihren Lic-besantrag gethan; es ist wahr, ich wurde ihn angenommen ha-ben. Aber überlegen Sie einmal, wie viel ich gewagt hätte,wenn ich mich nicht einmal nach Ihrem Stande, Vermögen,Vatcrlande, Bedienungen, und dergleichen mehr, zu erkundigen,Zeit gehabt hätte?

Christ. Der Geyer! wäre das aber auch so nöthig gewe-sen? So viel Umstände? Sie könnten ja bey dem Heyrathennicht mehrere machen?

F.iserre. O! wenn es nur auf eine kahle Hcyrath angese-hen wäre, so wär es lächerlich, wenn ich so gewissenhaft seynwollte. Allein mit einem Licbcsverständnisse ist es ganz etwasanders! Hier wird die schlechteste Kleinigkeit zu einem wichti-gen Punkte. Also glauben Sie nur nicht, daß Sie die geringsteGefälligkeit von mir erhalten werden, wenn Sie meiner Ncu-gierdc nicht in allen Stücken ein Gnüge thun.

Christ. Nu? wie weit erstreckt sich denn die?

Lusette. Weil man doch einen Diener am besten nach sei-nem Herrn beurtheilen kann, so verlange ich vor allen Dingenzu wissen

Christ, Wer mein Herr ist? Ha! ha! das ist lustig. Siefragen mich etwas, das ich Sie gern selbst fragen möchte, wennich glaubte, daß Sie mehr wüßten, als ich.

S-isette. Und mit dieser abgcdroschncn Ausflucht denken Siedurchzukommen? Kurz, ich muß wissen, wer Ihr Herr ist, oderunsre ganze Freundschaft hat ein Ende.

Christ. Ich kenne meinen Herrn nicht länger, als seit vierWochen. So lange ist es, daß er mich in Hamburg in seineDienste genommen hat. Von da aus habe ich ihn begleitet,niemals mir aber die Mühe genommen, nach seinem Stande