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1 (1838)
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Die Juden.

wenn man einen ehrlichen Kerl dergleichen beschuldigt? Wis-sen Sics?

Der Reif. Warum müßt Ihr so schreyen? Ich habe Euchnoch nichts beschuldigt. Ihr seyd Euer eigner Ankläger. Dazuweiß ich eben nicht, ob ich groß Unrecht haben würde! Wenertappte ich denn vorhin, als er nach meiner Uhr greiffen wollte?

Mart. Rr. O! Sie sind ein Mann, der gar keinen Spaßversteht. Hören Sies! (bey Seite) Wo er sie nur nichtbey Liscttcn gesehen hat. Das Mädel wird doch nicht när-risch seyn, und sich damit breit machen?

Der Reis. O! ich verstehe den Spaß so wohl, daß ichglaube, Ihr wollt mit meiner Dose auch spaßen. Allein wennman den Spaß zu weit treibt, verwandelt er sich endlich inErnst. Es ist mir um Euren guten Namen leid. Gesetzt, Ichwäre überzeugt, daß Ihr es nicht böse gcmeynt hättet, würdenauch andre ---

Martin Rr. Ach, andre! andre! andre wärenes längst überdrüßig, sich so etwas vorwerfen zu lassen. Doch,

wenn Sie denken, daß ich sie habe: befühlen Sie mich,--

visitircn Sie mich--

Der Reis. Das ist meines Amts nicht. Dazu trägt manauch nicht alles bey sich in der Tasche.

Martin Rr. Nun gut! damit Sie sehen, daß ich ein ehr-licher Kerl bin, so will ich meine Schubsäckc selber umwenden.Geben Sie Acht! (bey Seite) Es müßte mit dem Teufel zu-gehen, wenn sie herausfiele.

Der Reis. O macht Euch keine Mühe!

Martin Rr. Nein, nein; Sie sollcns sehn, Sie sollcnssehn, (er wendet die eine Tasche um) Ist da eine Dose? Brodgrü-mel sind drinne; das liebe Gut! (er wendet die andre um) Da istauch nichts! Za, doch! ein Stückchen Kalender. Zchhebe es der Verse wegen auf, die über den Monaten stehen.Sie sind recht schnurrig! Nu, aber daß wir weiter kommen.Geben Sie Acht: da will ich den dritten umwenden, (bey demUmwenden fallen zwey große Bärte heraus) Der Henker! was laß ichda fallen? (er will sie hurtig aufheben, der Reisende aber ist hurtiger,und erwischt einen davon)