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1 (1838)
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335
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Die Juden.

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Der Reis. Werde ich aber alsdann nicht gcnöthiget seyn,mich zu entdecken?

Christ. Desto besser! so lerne ich Sie bey Gelegenheit auchkennen. Allein, urtheilen Sie einmal selbst, ob ich mir wohl,mit gutem Gewissen, dieser Lügen wegen ein Gewissen machenkonnte? (er zieht die Dose heraus) Betrachten Sie diese Dose!Hätte ich sie leichter verdienen können?

Der Reis. Zeigt mir sie doch! (cr nimmt sie in die Hand)Was seh ich?

Christ. Ha! ha! ha! Das dachte ich, daß Sie erstaunenwürden. Nicht wahr, Sie lögen selber ein Gcsetzchen, wennSie so eine Dose verdienen könnten?

Der Reis. Und also habt Ihr mir sie entwendet?

Christ. Wie? was?

Der Reis. Eure Treulosigkeit ärgert mich nicht so sehr,als der übereilte Verdacht, den ich deswegen einem ehrlichenMann zugezogen habe. Und ihr könnt noch so rasend frech

seyn, mich überreden zu wollen, sie wäre.ein--obgleich

beynahe eben so schimpflich erlangtes Geschenk? Geht! kommtmir nicht wieder vor die Augen!

Christ. Träumen Sie, oder--aus Respekt will ich

das andre noch verschweigen. Der Neid bringt Sie doch nichtauf solche Ausschweifungen? Die Dose soll Zhre seyn? Ichsoll sie Ihnen, lslva venis, gestohlen haben? Wenn das wäre;ich müßte ein dummer Teufel seyn, daß ich gegen Sie selbstdamit prahlen sollte. Gut, da kömmt Liscttc! Hurtig kommSie! Helf Sie mir doch meinen Herrn wieder zu Rechte bringen.

Zwanzigster Auftritt.Lisette- Der Reisende. Christoph,^.isette. O mein Herr, was stiften Sie bey uns für Un-ruhe! Was hat Ihnen denn unser Vogt gethan? Sie habenden Herrn ganz rasend aus ihn gemacht. Man redt von Bär-ten, von Dosen, von Plündern; der Vogt weint und flucht,daß er unschuldig wäre, daß Sie die Unwahrheit redten. DerHerr ist nicht zu besänftigen, und jetzt hat cr so gar nach dem