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1 (1838)
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Der Misogyn.

der Kindheit nicht unterscheiden, wenn wir aus Muthwillcn dieKleider vertauscht hatten.

Valcr. Und nun bedenken Sie einmal, liebster Herr Va-ter; wenn es wahr ist, was Sie oft selbst gesagt haben, daßschon aus dem Acusscrlichen des Herrn Lclio, aus seiner Gc-sichtsbildung, aus seinen Mienen, aus dem bescheidenen Feuerseiner Augen, aus seinem Gange, der innere Werth seinerSeele, sein Verstand, seine Tugend, und alle die Eigenschaften,die Sie an ihm schätzen, zu schlicsscn wären; bedenken Sie ein-mal, sage ich, ob man bey seiner liebenswürdigen Schwesteraus eben dem Acusscrlichen, aus eben der Gcsichtsbildung, auseben dcn Micncn, aus eben den Augen, aus eben dem Gange,einen andern Schluß zu machen habe? Gewiß nicht.

!Vumeh. Gewiß ja! Damit du mich aber nicht zwingenkannst, dir dieses weitläuftig zu beweisen, so darf ich es nurplatterdings für unmöglich erklären, das seine Schwester ihmso ähnlich sehen kann, als ihr sagt.

Lelio. Beweisen Sie ihm ja lieber jenes, Herr Wums-hätcr, als daß Sie dieses leugnen sollten, denn Sie möchtensonst, vielleicht noch heute, durch den Augenschein eingetriebenwerden.

Mumsh. Wie so durch den Augenschein?

Lelio. Hat es Ihnen Valcr noch nicht gesagt, daß ermeine Schwester heut erwartet?

IVumsh. Wie? sie will selbst kommen? Aller Hochachtungunbeschadet, Herr Lclio, die ich gcgcn Sie hege, muß ich Ih-nen doch frey bekennen, daß ich nicht ein Bißchen begierig bin,Ihr weibliches Ebenbild kennen zu lernen.

Valer. 'Und eben, weil ich dieses wußte, Herr Vater, habeich Ihnen noch bis jetzt von ihrer Ankunft nichts sagen wollen.Ich will aber doch hoffen, daß ich das Vergnügen haben darf,sie Ihnen vorzustellen?

Ivumsh, Wenn du nur nicht verlangst, daß ich ihr alsmeiner künftigen Schwiegertochter begegnen soll.

Valer. Aber als der Schwester des Lelio werden Sie ihrdoch begegnen?