Der Freygeist.
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Adrast. Sollten! sollten! das ist wahr.
Ä.isidor. Nun da sehe man! was ist nun das wieder fürein Unterscheid ? Glauben, oder glauben sollen: es kömmt auf
eines heraus. Wer kann alle Worte so abzirkeln?--Und
ich wette was, wenn ihr nur erst werdet Schwäger seyn, keinEy wird dem andern ähnlicher seyn können. — —
Adrast. Als ich dem Thcophan, und er mir?
^.islSor. Gewiß. Noch wißt ihr nicht, was das heißt,mit einander verwandt seyn- Der Verwandtschaft wegen wirdder einen Daumen breit, und der einen Daumen breit nachge-ben. Und einen Daumen breit, und wieder einen Daumenbreit, das macht zwey Daumen breit; und zwey Daumen breit— — ich bin ein Schelm, wenn ihr die auseinander seyd. —Nichts aber könnte mich in der Welt wohl so vergnügen, alsdaß meine Töchter so vortrefflich für euch passen. Die Julianeist eine gcbornc Pricstcrfrau; und Hcnricttc — — in ganzDeutschland muß kein Mädchen zu finden seyn, das sich fürIhn, Adrast, besser schickte. Hübsch, munter, fix: sie singt, sietanzt, sie spielt; kurz, sie ist meine leibhafte Tochter. Julianedargcgcn ist die liebe, heilige Einsalt.
Adrast. Juliane? Sagen Sie das nicht. Ihre Vollkom-menheiten fallen vielleicht nur weniger in die Augen. IhreSchönheit blendet nicht; aber sie geht ans Herz. Man läßtsich gern von ihren stillen Reizen fesseln, und man biegt sichmit Bedacht in ihr Joch, das uns andere in einer fröhlichenUnbesonnenheit überwerfen müssen. Sie redet wenig; aber auchihr geringstes Wort hat Vernunft.
Alsidor. Und Hcnricttc?
Adrast. Es ist wahr: Hcnricttc wciß sich frey und witzigauszudrücken. Würde es aber Juliane nicht auch können, wen»sie nur wollte, und wenn sie nicht Wahrheit und Empfindungjenem prahlenden Schimmer vorzöge? Alle Tugcndcn scheincnsich in ihrer Seele verbunden zu haben — —
-Lusidor. Und Hcnricttc?
Adrast. Es sey ferne, daß ich Hcnriettcn irgend eine Tu-gend absprechen solltc. Aber cs gicbt cin gewisses Acußcrcs,welches sie schwerlich vermuthen ließe, wenn man nicht andre