Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
404
Einzelbild herunterladen
 

404

Der Freygeist.

umgehen? Sahe sie mich nicht dadurch für ein kleines spie-lendes Mädchen an, das zu ihr gesagt hätte: Deine Puppe istdie schönste; und dem sie also, um es nicht böse zu machen, ant-worten müßte: Nein, deine ist die schönste?S.isette- Nun hat sie Recht!

-Henrictre- O geh! du bist eine artige Richtcrinn. Hastdu schon vergessen, daß du mir heute angehörst?

Eiferte. Desto schärfer eben werde ich gegen Sie seyn, da-mit ich nicht parteyisch lasse.

Juliane. Glaube mir nur, daß ich bessere Eigenschaften aneiner Mannsperson zu schätzen weiß, als seine Gestalt. Undes ist genug, daß ich diese bessern Eigenschaften an dem Thco-phan finde. Sein Geist

-Henrielte. Non dem ist ja nicht die Rede. Jetzt kömmtes auf den Körper an,, und dieser ist an dem Thcophan schö-ner, du magst sagen, was du willst. Adrast ist besser gewach-sen: gut; er hat einen schönern Fuß: ich habe nichts dawider.Aber laß uns auf das Gesicht kommen.

Juliane. So stückweise habe ich mich nicht eingelassen.

Henriette- Das ist eben dein Fehler. Was für einStolz, was für eine Verachtung aller andern blickt nicht demAdrast aus jeder Miene! Du wirst es Adel nennen; aber machstdu es dadurch schön? Umsonst sind seine Gcsichtszüge noch soregelmäßig: sein Eigensinn, seine Lust zum Spotten hat einegewisse Falte hineingebracht, die ihm in meinen Augen rechthäßlich läßt. Aber ich will sie ihm gewiß heraus bringen; laß

nur die Flittcrwochcn erst vorbey seyn.--Dein Thcophan

hingegen hat das liebenswürdigste Gesicht von der Welt. Esherrscht eine Freundlichkeit darinn, die sich niemals verleugnet.

Juliane- Sage mir doch nur nichts, was ich eben so gutbemerkt habe, als du. Allein eben diese seine Freundlichkeit istnicht sowohl das Eigenthum seines Gesichts, als die Folge seinerinnern Ruhe. Die Schönheit der Seele bringt auch in einenungcstalten Körper Reize; so wie ihre Häßlichkeit dem vortreff-lichsten Baue und den schönsten Gliedern desselben, ich weißnicht was eindrückt, das einen unzucrklärcndcn Verdruß erwecket.Wenn Adrast eben der srommc Mann wäre, der Thcophan ist;