Ter Freygeist.
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wenn seine Seele von eben so göttlichen Strahlen der Wahrheit,die er sich mit Gewalt zu verkennen bestrebet, erleuchtet wäre:so würde er ein Engel unter den Menschen seyn; da er jetztkaum ein Mensch unter den Menschen ist. Zürne nicht, Hcn-rictte, daß ich so verächtlich von ihm rede. Wenn er in guteHände fällt, kann er noch alles das werden, was er jetzt nichtist, weil er es nie hat seyn wollen. Seine Begriffe von derEhre, von der natürlichen Billigkeit sind vortrefflich. — —
-Henriettc. (spöttisch) O! du machst ihn auch gar zu sehrherunter. — — Aber im Ernste, kann ich nicht sagen, daß dumich nunmehr sür das kleine spielende Mädchen ansiehst? Zchmag ja nicht von dir seinetwegen zufrieden gestellt seyn. Er ist,wie er ist, und lange gut für mich. Du sprachst von gutenHänden, in die er fallen müßte, wenn noch was aus ihm wer-den sollte. Da er in meine nunmehr gefallen ist, wird er wohlnicht anders werden. Mich nach ihm zu richten, wird meineinziger Kunstgriff seyn, uns das Leben erträglick zu machen.Nur die verdrießlichen Gesichter muß er ablegen; und da werdeich ihm die Gesichter deines Theophans zum Muster vorschlagen.
Iuliane. Schon wieder Thcovhan, und seine freundlichenGesichter?
Eiferte. Stille! Mamsell---
Zweyter Auftritt.Theophan. Juliane. Henrietre. Lisette.-Henrictte. (springt dem Thcopycm entgegen.? Kommen Sie doch,Thcophan, kommen Sie! — Könne» Sie wohl glauben, daßich Ihre Partey gegen meine Schwester habe halten müsse»?Bewundern Sie meine Uncigennützigkeit. Zch habe Sie bis inden Himmel erhoben, da ich doch weiß, daß ich Sie nicht be-komme, sondern daß Sie für meine Schwester bestimmt sind,die Ihren Werth nicht kennet. Denken Sie nur, sie behauptet,daß Sie keine so schöne Person vorstellten, als Adrast. Zchweiß nicht, wie sie das behaupten kann. Zch sehe doch denAdrast mit den Augen einer Verliebten an, das ist, ich machemir ihn noch zehnmal schöner, als er ist, und gleichwohl gebenSie ihm, meines Vcdünkcns, nichts nach. Sie spricht zwar.