Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
406
Einzelbild herunterladen
 

406

Der Freygeist.

auf der Seite des Geistes hätten Sie mehr Vorzüge; aber waswissen wir Francnzimmcr denn vom Geiste?

Juliane- Die Schwätzerinn! Sie kennen sie, Thcophan:glauben Sie ihr nicht.

Theophan. Zch ihr nicht glauben, schönste Juliane? Warumwollen Sie mich nicht in der glücklichen Ueberzeugung lassen,

daß Sie so vorteilhaft von mir gesprochen haben?--Zch

danke Ihnen, angenehmste Hcnnctte, für Ihre Vertheidigung;ich danke Ihnen um so vielmehr, je stärker ich selbst überführetbin, daß Sie eine schlechte Sache haben vertheidigen müssen.Allein--

-Henriette. O! Thcophan, von Ihnen verlange ich es nicht,daß Sie mir Recht geben sollen. Es ist eine andere gewissePerson--

Juliane- Lassen Sie dieser andern Person Gerechtigkeitwiderfahren, Thcophan. Sie werdcn, hoffe ich, meine Gesinnun-gen kennen

Thcophan. Gehen Sie nicht mit mir, als mit cincm Frem-den um, liebste Juliane. Brauchen Sie keine Einlenkungcn; ichwürde bey jeder nähern Bestimmung verlieren. Bey denBüchern, in einer engen stanbigtcn Studierstubc, vergißt mandes Körpers sehr leicht; und Sie wissen, der Körper muß ebenso wohl bearbeitet werden, als die Seele, wenn beide diejeni-gen Vollkommenheiten erhalten sollen, deren sie fähig sind.Adrast ist in der großen Welt erzogen worden; er hat alles,was bey derselben beliebt macht

-Henriette- Und wenn es auch Fehler seyn sollten.--

Theophan. Wenigstens habe ich diese Anmerkung nichtmachen wollen. Aber nur Geduld! ein großer Verstandkann diesen Fehlern nicht immer ergeben seyn. Adrast wird dasKleine derselben endlich einsehen, welches sich nur allzusehr durchdas Leere verräth, das sie in unsern Herzen zurück lassen. Zchbin seiner Umkehr so gewiß, daß ich ihn schon im voraus dar-um liebe.--Wie glücklich werden Sie mit ihm leben, glück-liche Hcnricttc!

Henriette. So edel spricht Adrast niemals von Ihnen,Thcophan.--