Ter Freygeist.
407
Juliane- Abermals eine recht garstige Anmerkung, meine
liebe Schwester.--Was suchst du damit, daß du dem
Thcophan dieses sagst? Es ist allezeit besser, wen» man esnicht weiß, wer von uns übel spricht. Die Kenntniß unsererVerleumder wirkt auch in dem großmüthigsten Herzen eine Artvon Entfernung gegen sie, die ihre Aussöhnung mit der belei-digten Person nur noch schwerer macht.
Theophan. Sie entzücken mich, Juliane. Aber fürchtenSie nichts! Eben darum soll über kurz oder lang mein Triumphbestehen, daß ich den mich jetzt verachtenden Adrast besser vonmir zu urtheilen gezwungen habe. Würde ich aber nicht diesenganzen Triumph zernichten, wenn ich selbst einigen Groll gegenihn fassen wollte? Noch hat er sich nicht die Mühe genommen,mich näher kennen zu lernen. Vielleicht daß ich ein Mittel
finde, ihn dazu zu vermögen.--Lassen Sie uns nur jetzt
davon abbrechen; und erlauben Sie, daß ich einen meiner näch-sten Blutsfrcundc bey Ihnen anmelden darf, der sich ein Ver-gnügen daraus gemacht hat, mich hier zu überraschen. —
Juliane- Einen Anverwandten?
-Henriette. Und wer ist es?
iLheophan. Araspc.
Juliane- Araspe?
-Henriette- Ey', das ist ja vortrefflich! Wo ist er denn?iLheophan. Er war eben abgestiegen, und hat mir ver-sprochen, unverzüglich nachzufolgen.
Henrierte. Weiß es der Papa schon?kLheophan. Ich glaube nicht.Juliane- Und die Großmama?
-Henriette- Komm, Schwesterchen! diese fröhliche Nachricht
müssen wir ihnen zuerst bringen.--Du bist doch nicht böse
auf mich?
Juliane- Wer kann auf dich böse seyn, Schmeichlerinn?Komm nur!
Theophan. Erlauben Sie, daß ich ihn hier erwarte.-Henriette. Bringen Sie ihn aber nur bald. Hören Sie!