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1 (1838)
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408
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Der Freygeist.

Dritter Auftritt.Theophan. Lisette.

lisette. Ich bleibe, Herr Thcophan, um Ihnen noch einkleines großes Kompliment zu machen. Wahrhaftig! Sie sindder glücklichste Mann von der Welt! und wenn Herr Lisidor,glaube ich, noch zwey Töchter hätte, so würden sie doch allevicre in Sie verliebt seyn.

Theophan. Wie versteht Lisette das?

Suserte. Ich verstehe es so: daß wenn es alle vicre seynwürden, es jetzt alle zwey seyn müssen.

Theophan. (lächelnd) Noch dunkler!

lisette- Das sagt Ihr Lächeln nicht. Wenn Sie aberwirklich Ihre Verdienste selbst nicht kennen; so sind Sie nurdesto licbcnswcrthcr. Juliane liebt Sie: und das geht mit rech-ten Dingen zu, denn sie soll Sie lieben. Nur Schade, daßihre Liebe so ein gar vernünftiges Ansehen hat. Aber was sollich zu Hcnrietten sagen? Gewiß sie liebt Sie auch, und wasdas verzweifeltste dabey ist, sie liebt Sie aus Liebe.Wenn Sie sie doch nur alle beide auch hcyrathcn konnten!

Theophan. Sie mcynt es sehr gut, Lisette.

AiLttte. Za, wahrhaftig! alsdann sollten Sie mich nochoben drein behalten.

Theophan. Roch besser! Aber ich sehe, Lisette hat Ver-stand --

lisette. Verstand? Ans das Kompliment weiß ich, leider!nichts zu antworten. Auf ein anders: Lisette ist schön, habeich wohl ungefähr antworten lernen: Mein Herr, Sie scherzen.Ich weiß nicht, ob sich diese Antwort hierher auch schickt.

Theophan. Ohne Umstände! Lisette kann mir einenDienst erzeigen, wenn sie mir ihre wahre Meynung von Julia-nen entdeckt. Ich bin gewiß, daß sie auch in ihren Muthma-ßungen nicht weit vom Ziele treffen wird. Es giebt gewisseDinge, wo ein Fraucnzimmcraugc immer schärfer sieht, als hun-dert Augen der Mannspersonen.

-lisette- Verzweifelt! diese Erfahrung können Sie wohl nim-mermehr aus Büchern haben.--Aber, wenn Sie nur Acht