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1 (1838)
Entstehung
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Der Freygeist.

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auf meine Reden gegeben hätten; ich habe Zhncn bereits meinewahre Meynung von Julianen gesagt. Sagte ich Zhncn nicht,daß mir ihre Liebe ein gar zu vernünftiges Ansehen zu habenscheine? Darinn liegt alles, was ich davon denke. Ucbcrlcgung,Pflicht, vorzügliche Schönheiten der Seele Zhncn dieWahrheit zu sagen, gegen so vortreffliche Worte in einem weib-lichen Munde, mag ein Liebhaber immer ein wenig mißtrauischseyn. Und noch eine kleine Beobachtung gehöret hichcr: diesenehmlich, daß sie mit den schönen Worten weit sparsamer gewe-sen, als Herr Thcophan allein im Hause war.Thcophan. Gewiß?

K.isette. (nachdem sie ihn einen Augenblick angesehen) Herr Thco-phan! Herr Thcophan! Sic sagcn dicscs Gewiß mit cincr Art,--mit cincr Art,

Thcophan. Mit was für cincr Art?

-Sujette. Za! nun ist sie wieder weg. Die Mannsperso-nen! die Mannspersonen! Und wenn es auch gleich die allcr-frömmstcn sind Doch ich will mich nicht irre machcnlassen. Seit Adrast im Hause ist, wollte ich sagcn, fallen zwi-schen dem Adrast und Julianen dann und wann Blickc vor

Thcophan. Blickc? Sic beunruhiget mich, Liscttc.

Aiselte. Und das Beunruhigen können Sic so ruhig aus-sprechcn, so ruhig Za, Blicke fallen zwischen ihnen vor;Blicke, die nicht ein Haar anders sind, als die Blickc, die dannund wann zwischen Mamsell Hcnricttcn und dcm vicrtcn vor-fallen

Thcophan. Was für einem vicrtcn?

Auselte- Werden Sie nicht ungehalten. Wenn ich Sicgleich dcn vierten ncnnc, so sind Sic eigentlich doch in allerAbsicht der erste.

Thcophan. (die ersten Worte bey Seite) Die Schlaue! Sie beschämt mich für meine Ncubcgierdc, und ich habecs verdient. Nichts dcstowcnigcr aber irret Sic Sich, Liscttc;gewaltig irret Sic Sich--

Susette. O pfuy! Sic machten mir vorhin ein so artigesKompliment, und nunmehr gereuet cs Sie auf einmal, mir csgemacht zu haben. Zch müßte gar nichts von dcm Verstandc