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1 (1838)
Entstehung
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413
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Der Freygeist.

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Martin. DaS ist schnackisch! Und das Zeug können dieLeute da verstehen? Sag einmal, was hieß das ans Deutsch?

Johann. Za! auf Deutsch ! Du guter Narre, das läßtsich auf Deutsch nicht so sagen. Solche feine Gedanken könnennur französisch ausgedrückt werden.

Martin. Der Blitz!--Nu? wo bist du weiter ge-wesen?

Johann. Weiter? in England --

Martin. Zn England ?--Kannst du auch Engländsch?

Johann. Was werde ich nicht können?Martin. Sprich doch!

Johann. Du mußt wissen, es ist eben, wie das Franzö-sische. Es ist Französisch, versteh mich, auf Englisch ausgespro-chen. Was hörst du dir dran ab? Zch will dir ganzandre Dinge sagen, wenn du mir zuhören willst. Dinge, dieihres gleichen nicht haben müssen. Zum Exempel, auf unsernvorigen Punkt zu kommen: sey kein Narr, und glaube, daß einAtheist so ein schrecklich Ding ist. Ein Atheist ist nichts wei-ter, als ein Mensch, der keinen Gott glaubt.--

Martin. Keinen Gott? Ze! das ist ja noch viel ärger!Keinen Gott? Was glaubt er denn?

Johann. Nichts.

Martin. Das ist wohl eine mächtige Mühe.

Johann. Ey! Mühe! Wenn auch Nichts glauben eineMühe wäre, so glaubten ich und mein Herr gewiß alles. Wirsind geschworne Feinde alles dessen, was Mühe macht. DerMensch ist in der Welt, vergnügt und lustig zu leben. DieFreude, das Lachen, das Kurtisircu, das Saufen sind seinePflichten. Die Mühe ist diesen Pflichten hinderlich; also ist esauch nothwendig seine Pflicht, die Mühe zu fliehen.Sieh, das war ein Schluß, der mehr Gründliches enthält, alsdie ganze Bibel. «

Martin. Ich wollts. Aber sage mir doch, was hat mandenn in der Welt ohne Mühe?

Johann. Alles was mau erbt, und was man crheyrathct.Mein Herr erbte von seinem Vater und von zwey reichen Vet-tern keine kleinen Summen; und ich muß ihm das Zeugniß