Der Freygeist. 416
dergleichen Aberglauben stecken lassen. Ucberlege dirs nur: —
— Der Teufel--der Teufel--Ha! ha! ha!--
Und dir kömmt es nicht lächerlich vor? Zc! so lache doch!
Martin. Wenn kein Teufel wäre, wo kämen denn diehin, die ihn auslachen? — — Darauf antworte mir einmal!den Knoten beiß mir auf! Siehst du, daß ich auch weiß, wieman euch Leute zu Schanden machen muß?
Johann. Ein neuer Irrthum! Und wie kannst du so un-gläubig gegen meine Worte seyn? Es sind die Aussprüchc derWeltweisheit, die Orakel der Vernunft! Es ist bewiesen, sageich dir, in Büchern ist es bewiesen, daß es weder Teufel nochHölle giebt. — — Kennst du Balthasarn? Es war ein be-rühmter Becker in Holland .
N7arnn. Was gehn mich die Becker in Holland an? Werweiß, ob sie so gute Pretzeln backen, wie der hier an der Ecke.
Johann. Ey! das war ein gelehrter Becker! Seine bezau-bertc Welt — — ha! — das ist ein Buch! Mein Herr hates einmal gelesen. Kurz, ich verweise dich auf das Blich, sowie man mich darauf verwiesen hat, und will dir nur im Ver-trauen sagen: Der muß ein Ochse, ein Rindvieh, ein altesWeib seyn, der einen Teufel glauben kann. Soll ich dirs zu-schwören, daß keiner ist? — Ich will ein Hundsvott seyn!
Martin. Pah! der Schwur geht wohl mit.
Johann. Nun, sich,--ich will, ich will--auf
der Stelle «erblinden, wenn ein Teufel ist.
(Lisette springt geschwinde hinter der Scene hervor, und hält ihm rück-wärts die Augen zu, indem sie dem Martin zugleich winkt.)
Martin- Das wäre noch Was; aber du weißt schon, daßdas nicht geschieht.
Johann, (ängstlich) Ach! Martin, ach!Martin. Was ists?
Johann. Martin, wie wird mir? Wie ist mir, Martin?Martin. Nu? was hast du denn?
Johann. Sch ich — oder — — ach! daß Gott --
Martin! Martin! wie wird es auf einmal so Nacht?Martin. Nacht? Was willst du mit der Nacht?