Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
429
Einzelbild herunterladen
 

Der Freygeist.

42i>

Adrast. Wissen Sie, daß ein solcher Einfall in IhremMunde nicht eben der artigste ist?

Henriette. Vielleicht., weil Sie glauben, daß die lcicbtsin-nigcn Einfälle nur in Ihrem Munde wohl lassen? Unterdessenhaben Sie doch wohl kein Privilegium darüber?

Adrast. Sie machen Ihre Dinge vortrefflich. Ein Frauen-zimmer, das so fertig antworten kann, ist sehr viel werth.

Henriette. Das ist wahr; denn wir schwachen Werkzeugewissen sonst den Mund am allerwenigsten zu gebrauchen.

Adrast. Wollte Gott !

Henriette. Ihr treuherziges Wollte Gott ! bringt mich zumLachen, so sehr ich auch böse seyn wollte. Ich bin schon wie-der gut, Adrast.

Adrast. Sie sehen noch einmal so reizend aus, wenn Sieböse seyn wollen; denn es kömmt doch selten weiter damit, alsbis zur Ernsthaftigkeit, und diese läßt Ihrem Gesichte um soviel schöner, je fremder sie in demselben ist. Eine beständigeMunterkeit, ein immer anhaltendes Lächeln wird unschmackhaft.

Henriette- (ernsthaft) O! mein guter Herr, wenn das IhrFall ist, ich will es Ihnen schmackhaft genug machen.

Adrast. Ich wollte wünschen,--denn noch habe ich

Ihnen nichts vorzuschreiben,

-Henriecre. Dieses Noch ist mein Glück. Aber was woll-ten Sie denn wünschen?

Adrast. Daß Sie Sich ein klein wenig mehr nach demExempel Ihrer ältesten Madcmoiscll Schwester richten möchten.Ich verlange nicht, daß Sie ihre ganze sittsame Art an Sichnehmen sollen; wer weiß, ob sie Ihnen so anstehen würde?

Henriette. St! die Pfeife verräth das Holz, woraus siegeschnitten ist. Lassen Sie doch hören, ob meine dazu stimmt?

Adrast. Ich höre.

Henriette- Es ist recht gut, daß Sie auf das Kapitel vonErcmpcln gekommen sind. Ich habe Ihnen auch einen kleinenVers daraus vorzuprcdigcn.

Adrast. Was für eine Art sich auszudrücken!

-Henriette- Hum! Sie denken, weil Sie nichts vom Pre-digen halten. Sie werden finden, daß ich eine Liebhaberinn