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1 (1838)
Entstehung
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Der Freygeist.

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mein Ihnen gegebenes Wort wieder zurücke zu nehmen. Ichhatte von sicherer Hand, nicht vom Thcophan, Umstände vonIhnen erfuhren, die mich dazu nöthigten. Ich fand ihn hier,und ich glaubte, es ihm ohne Schwierigkeit sagen zu dürfen

Adrast. Dem Thcophan ? Wie wird sich der Niederträch-tige gekitzelt haben!

Der Wechsler. Gekitzelt? Er hat aus das nachdrücklichstefür Sie gesprochen. Und kurz, wenn ich Ihnen mein erstesVersprechen halte, so geschieht es bloß in Betrachtung seiner.

Adrast. In Betrachtung seiner? Wo bin ich?

Der Wechsler- Er hat mir schriftliche Versicherungen ge-geben, die ich als eine Bürgschaft für Sie ansehen kann.Zwar hat er mir es zugleich verboten, jemanden das Geringstedavon zu sagen: allein ich konnte es unmöglich anhören, daßein rechtschaffner Mann so unschuldig verlästert würde. Sie kön-nen die verlangte Summe bey mir abholen lassen, wann esIhnen beliebt. Nur werden Sie mir den Gefallen thun, undSich nichts gegen ihn merken lassen. Er bezeigte bey dem gan-zen Handel so viel Aufrichtigkeit und Freundschaft sür Sie, daßer ein Unmensch seyn müßte, wenn er die Verstellung bis da-hin treiben könnte. Leben Sie wohl! (geht ab.)

Zweyter Auftritt.Adrast.

Was für ein neuer Streich! Ich kann nichtwieder zu mir selbst kommen! Es ist nicht auszuhalten! Verachtungen, Beleidigungen, Beleidigungen in demGegenstände, der ihm der liebste seyn muß: alles istumsonst; nichts will er fühlen. Was kann ihn so verhärten?Die Bosheit allein, die Begierde allein, seine Rache reif wer-den zu lassen.--Wen sollte dieser Mann nicht hinter das

Licht führen? Ich wcjß nicht, was ich denken soll. Er dringtseine Wohlthaten mit einer Art auf Aber verwünschtsind seine Wohlthaten, und seine Art! Und wenn auch keineSchlange unter diesen Blumen läge, so würde ich ihn dochnicht anders als hassen können. Hassen werde ich ihn, undwenn er mir das Leben rettete. Er hat mir das geraubt, was

Lessings Werke I. 29