Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
455
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Der Freygeist.

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darauf kommen? Ich würde ihn, ohne ein weiteres Wort, ver-lassen haben, wenn ich mich nicht noch derjenigen Person we-gen gezwungen hätte, der ich, von Grund meiner Seelen, alles

gönne, was sie sich selbst wünscht.--Mehr habe ich ihm

nicht zu sagen, (er will fortgehen.)

Adrast. Wohin, Thcophan? Urtheilen Sie ausmeinem Stillcschwcigcn, wie groß mein Erstaune» seyn müsse! Es ist eine menschliche Schwachheit, sich dasjenige leichtüberreden zu lassen, was man heftig wünscht. Soll ich ihrnachhängen? soll ich sie unterdrücken?

Thcophan. Zch will bey Ihrer Ucbcrlcgung nicht gegen-wärtig seyn.--

Adrast. Wehe dem, der mich auf eine so grausame Artaufzuziehen denkt!

Thcophan. So räche mich denn Ihre marternde Ungewiß-heit an Zhncn!

Adrast. (bey Seite) Jetzt will ich ihn fangen.--Wol-len Sie mir noch ein Wort erlauben, Thcophan?--Wie

können Sie über einen Menschen zürnen, der mehr aus Erstau-nen über sein Glück, als aus Mißtrauen gegen Sie, zwei-felt? --

Thcophan. Adrast, ich werde mich schämen, nur einen Au-genblick gezürnt zu haben, so bald Sie vernünftig reden wollen.

Adrast. Wenn es wahr ist, daß Sie Julianen nicht lie-ben, wird es nicht nöthig seyn, daß Sie Sich dem Lisidor ent-decken ?

Thcophan. Allerdings.

Adrast. Und Sie sind es wirklich gesonnen?

Thcophan. Und zwar je eher, je lieber.

Adrast. Sie wollen dem Lisidor sagen, daß Sie Julianennicht lieben?

Thcophan. Was sonst?

Adrast. Daß Sie eine andere Person lieben?

Thcophan. Vor allen Dingen! um ihm durchaus keineUrsache zu geben, Julianen die rückgängige Verbindung zur Lastzu legen.

Adrast. Wollten Sie wohl alles dieses gleich jctzo thun?